Fledermäuse und Jagdkanzeln

Hochsitze sind aus zweierlei Gründen interessante Wohnräume für Fledermäuse. Welche dies sind und mehr, erklärt uns Burkhard Stöcker.

Fledermaus im Flug (Symbolbild: CreativeNature_nl)
Fledermaus im Flug (Symbolbild: CreativeNature_nl)

Anfang August, die Dämmerung bricht herein und ich hoffe auf ein kleines Rudel Feisthirsche, die hier im Vorfeld der Brunft ihren Einstand haben. Doch das Rascheln, dass mich erwartungsvoll aufhorchen lässt, kommt nicht etwa aus der nahen Kieferndickung, sondern aus dem Kanzeldach über mir. Schwupp ist die erste Fledermaus draußen und gleich darauf die zweite: zwischen Verkleidung und Innenwand muß ein kleiner Hohlraum liegen, den die Fledermäuse als Spaltenquartier nutzen!

Vor drei Jahren machte ich zum erstenmal diese interessante Entdeckung und seitdem lassen mich die kleinen dunklen Kobolde nicht mehr los.

Die besonderen Säuger

Sie heißen zwar Fleder-mäuse, sind aber mit den Mäusen nicht näher verwandt. Vermutlich stehen sie sogar den Affen und somit uns Menschen näher als ihren nagenden Namensvettern.

Neben ihrer Flugfähigkeit besitzen Fledermäuse jedoch noch beeindruckendere Eigenschaften: Fledermäuse sind Raubtiere, die sich fast ausschließlich von Insekten ernähren – von der kleinsten Mücke bis hin zu stattlichen Nachtfaltern reicht das Beutespektrum der heimischen Arten.

Die Form ihrer Jagdausübung ist jedoch das eigentlich „Highlight“ in der Biologie der Nachtschwärmer: Sie senden Schreie im Ultraschallbereich aus und orten diese mit Hilfe von Ohren oder Nase. So bewegen sie sich selbst in scheinbar tiefster Finsternis souverän und sind über alle Gegenstände ihres Flugumfeldes stets auf dem Laufenden. Dabei hat jede Art eine etwas andere Ultraschallpeilung entwickelt, so daß die einzelnen Arten sich nicht in die „Schall-Quere“ kommen.

Ihre Peilungen sind dabei so genau, daß selbst kleinste Insekten im Fluge erbeutet werden. Fledermäuse warten aber noch mit weiteren biologischen „Specials“ auf: ihre Flughäute sind, anders als bei den Vögeln, undurchlässig, so daß ihr Flug sich von dem der Vögel unterscheidet. Sie besitzen, einzigartig unter den Säugetieren, Knie, die nicht nur nach außen, sondern auch nach innen beweglich sind – dies ist eine wichtige Anpassung bei der zum Teil kopfüber praktizierten Lebensweise.

Gefährdete Flieger

Auf der Roten Liste der Säugetiere Deutschlands sind Fledermausarten zahlreich vertreten. Zwei Entwicklungen führten im Verlaufe der letzten Jahrzehnte zu den drastischen Bestandeseinbrüchen bei vielen Fledermausarten: Als reine Insektenfresser gehören Fledermäuse zu den Verlierern der intensiven Landwirtschaft – der Insektenreichtum aus der Zeit vor der industriellen Landwirtschaft gehört der Vergangenheit an. Die zweite wichtige Komponente ist der Mangel an Höhlen. Von Natur aus spielen hier sicherlich Baumhöhlen die größte Rolle – hier hat die konventionelle Forstwirtschaft mit Monokulturen, niedrigen Umtriebszeiten und dem Beseitigen toter, alter Bäume einen wesentlichen „Beitrag“ geleistet. 

In weiten Forstkreisen hat hier jedoch inzwischen ein massives Umdenken stattgefunden und auch der Fledermausschutz gehört nun zu den Aufgaben eines verantwortungsvollen Forstmannes – zahlreiche der Forstpartie zeitweilig Sorge bereitende „Schad-Insekten“ gehören übrigens zum Speiseplan der Fledermäuse!

Eine naturnahe Waldwirtschaft, die alte Bäume belässt und für reichhaltig Licht am Boden sorgt ist auch der beste Garant für ein gutes Auskommen der Fledermäuse – und wo viel Licht und ein reiches Bodenleben herrscht ist meistens auch der Tisch für unser Schalenwild mehr als reichlich gedeckt. Viel Licht im Wald und viel Krautflora fördern also Schalen- und „Flederwild“!

Kanzeln und Fledermäuse?

Aus zweierlei Gründen sind Jagdkanzeln für Fledermäuse als Wohnräume interessant. Zum einen liegen zwischen Innenwand und äußerer Verkleidung (oft Teerpappe) häufig kleine „Spaltenquartiere“, die von einzelnen Tieren vorwiegend im Sommer als Tagesquartier genutzt werden. Natürlich nur dann, wenn zumindest kleine Spalten als Aus- und Einflugöffnungen vorhanden sind. Hierbei sind Rundhölzer mit ihren Abrundungen günstiger zu beurteilen als Bretter oder Kanthölzer.

Wird bspw. auf die letzteren fugendicht Teerpappe genagelt, verbleiben meist kaum geeignete Zwischenräume, während zwischen Rundhölzern und Teerpappe immer noch genügend „Fledermaus-Luft“ verbleibt.

Neben dieser eher zufälligen „Schutzfunktion“ eignen sich Kanzeln zudem hervorragend für die Aufhängung von Fledermauskästen – gleich aus mehreren Gründen:

1. In Wäldern stehen Kanzeln meist an Waldrändern, Lichtungen oder Schneisen – den bevorzugten Jagdrevieren der Fledermäuse. Die größtmöglich räumliche Nähe zwischen Unterschlupf und Jagdrevier ist für Fledermäuse aufgrund ihres sensiblen Energiehaushaltes ausgesprochen wichtig – es sind aber auch schon kilometerlange Flugstrecken zwischen Quartier und Jagdgebiet nachgewiesen worden.

2. Die großen Aufhängeflächen an den Kanzelwänden ermöglichen eine festere Auflage bzw. Verankerung der Kästen als an den gerundeten Flächen von Bäumen.

3. Die Kästen lassen sich im Gegensatz zu denen an Bäumen ohne Leiter vom Kanzelinneren oder der Kanzelleiter aus befestigen – der Arbeitsaufwand ist deutlich geringer als bei der Anbringung an Bäumen!

Bevor wir jetzt jedoch in operative Hektik verfallen, um unsere Kanzeln mit Fledermauskästen zu möblieren sollten wir uns zunächst am besten mit einem örtlichen Fledermauskenner in Verbindung setzen. Viele von ihnen haben schon Erfahrungen mit derartigen Kästen und wissen am besten wie und wo man dieselben aufhängt oder stellen einem vielleicht sogar Kästen zur Verfügung. Beim Aufhängen kann man übrigens auch eine ganze Menge falsch machen: Freier Anflug zum Kasten – liegt der Kasten hinter dichtem Laub oder Astwerk meiden ihn in der Regel die Fledermäuse. Die Himmelsrichtung ist wichtig (Wind, Regen, Sonne, Schatten). Am besten hängt man mehrere Kästen in verschiedenen Himmelsrichtungen auf, um den Fledermäusen eine Wahlmöglichkeit zu bieten. Nach Aussage zahlreicher Fledermausexperten empfiehlt es sich ohnehin möglichst auch in direkter Nähe der Kanzel noch zwei, drei weitere Kästen aufzuhängen. Die Höhe spielt eine nicht unbedeutende Rolle (zu niedrig aufgehängt werden die Kästen oft nicht angenommen). Mit der Zeit verändert sich oft auch die Standorteignung an der ein oder anderen Kanzel (Baumbestände wachsen heran und verändern Licht und Windregime), die ein Umhängen der Kästen erforderlich werden lassen.

Fledermauskasten an einem Baum angebracht (Beispielbild: undefined_undefined)

Fledermauskasten an einem Baum angebracht (Beispielbild: undefined_undefined)

Übrigens: Fledermauskästen sind genau wie unsere Vogelnistkästen eine zwangsläufige Erfindung der Nutzwälder: der ungenutzte „Urwald“ stellt mit seinem reichen Totholzangebot und den zahlreichen alten Bäumen so viele „Ökohöhlen“ zur Verfügung, dass wir da als Zimmerleute entbehrlich werden. Für ein paar alte Bäume und Totholz in unseren Wäldern sollten auch wir Jäger uns stark machen – „auch wenn der Rehbock nicht in Baumhöhlen nistet“.

Fledermauskästen – Wie?

Der Bau von Fledermauskästen ist nicht aufwändiger als der Bau eines gewöhnlichen Vogelnistkastens.  Da Fledermäuse empfindlich auf Fremdstoffe reagieren und sich an Wand bzw. Decke des Kastens aufhängen sollen, ist unbehandeltes, raues Holz wichtig. Als Schutz vor Witterung sollte zumindest das Dach des Kastens in Dachpappe eingeschlagen werden.

Wir können mit wenig Aufwand unsere waldigen Wohnstuben für sympathische Untermieter herrichten. Und wenn dann im Sommer mal wieder der ersehnte Anblick jagdbaren Wildes ausbleibt, können wir uns zumindest am Anblick der Insektenjäger erfreuen. 

 

Logo der Stiftung Wald & Wild in Mecklenburg-Vorpommern

Ein Beitrag von Burkhard Stöcker, von unserem Premiumpartner, der Stiftung Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern.