Wolfsmanagement in Niedersachsen wird weiter optimiert

LIES: „BRAUCHEN NOCH MEHR AUFKLÄRUNG UND BERATUNG IM UMGANG MIT DEM WOLF UND ENTLASTUNG DES EHRENAMTES BEI DER RISSAUFNAHME.“

Ein Wolf (Symbolbild: jhenning_beauty_of_nature)
Ein Wolf (Symbolbild: jhenning_beauty_of_nature)

Das Wolfsmanagement in Niedersachsen wird weiterentwickelt, die Beratung der Bevölkerung weiter ausgeweitet und das Ehrenamt bei der Rissaufnahme entlastet. Das hat der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies am Mittwoch (15.09.2021) in einer Plenarsitzung im Rahmen einer aktuellen Stunde angekündigt.

„Die Wolfspopulation in Niedersachsen wächst stetig weiter und damit einher gehen weiter steigende Risszahlen. Daher müssen wir auch das Wolfsmanagement beständig weiterentwickeln. Wir haben mittlerweile 39 Wolfsrudel, 1 Wolfspaar und 2 residente Einzelwölfe in Niedersachsen und Nahbegegnungen zwischen Mensch und Wolf werden weiterhin vorkommen und voraussichtlich zunehmen. Den ehrenamtlichen Wolfsberaterinnen und -beratern kommt hier bei der Aufklärung und der Beratung der Bevölkerung im Umgang mit dem Wolf eine zunehmend wichtigere Funktion zu. Denn mit der wachsenden Population steigt die Notwendigkeit, vor Ort den Menschen zuzuhören und den Informationsfluss nach Kräften zu befördern. Auch beim Monitoring, also der Gewinnung von Daten über den Wolf, wollen wir zukünftig noch mehr auf die Expertise der Wolfsberaterinnen und Wolfsberater zurückgreifen. Die Erfahrung zeigt, dass Betroffene vor allem schnelle Antworten erfahrener Expertinnen und Experten erwarten. Hier sind wir auf die Ehrenämtler angewiesen, die in den Regionen verankert sind und die das Vertrauen der Menschen genießen“, so Lies.

„Und hier wird künftig noch stärker der Fokus von Wolfsberaterinnen und -beratern liegen müssen. Um das zu gewährleisten, werden wir das Ehrenamt bei der Rissaufnahme entlasten und künftig in die Hände der Landwirtschaftskammer Niedersachsen gelegt.“

Die 105 ehrenamtlichen Wolfsberaterinnen und Wolfsberater seien am gestrigen Dienstag bereits über diesen Schritt informiert worden, so Lies weiter. Die Zahl der Übergriffe auf Weidetiere in Niedersachsen ist von 8 Übergriffen in 2012 auf etwa 230 Übergriffe in 2021 angestiegen. Lies: „Das können wir vom Umfang und der emotionalen Belastung dem Ehrenamt nicht mehr zumuten. Zumal die Verteilung der Übergriffe auch nicht gleichmäßig über Niedersachsen verteilt ist und nur 10 Prozent der Wolfsberaterinnen und Wolfsberater mehr als 10 Risse pro Jahr betreuen.“ Diese Aufgabe solle dann ab dem 01. Jan. 2021 von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen übernommen werden.

Laut Lies sei eine weitere Grundlage der Entscheidung die durchweg positiven Erfahrungen bei der Übernahme der Herdenschutzberatung und Abwicklung der Förderung durch die Landwirtschaftskammer (LWK) bereits im Jahr 2020: „Bereits jetzt übernimmt die LWK die Herdenschutzberatung, fördert Präventionsmaßnahmen und wickelt im Fall von Wolfsrissen in Abstimmung mit dem Wolfsbüro die Billigkeitsleistungen ab. Es ist daher sinnvoll, dass künftig die gesamte Prozesskette der Nutztierschadensabwicklung von der LWK übernommen wird. Die Rissaufnahme, die Protokollierung der Herdenschutzmaßnahmen und die Logistik der Genetikproben sowie die amtliche Feststellung wird dann durch die LWK vorgenommen.“ Die Bewertung hingegen, ob Herdenschutzüberwindungen im Sinne der Niedersächsischen Wolfsverordnung vorliegen, verbleibe beim Wolfsbüro des NLWKN, so Lies.

„Die Situation mit dem Wolf in Niedersachsen ist hochdynamisch. Der anfänglichen Euphorie ist eine gewisse Ernüchterung gewichen. Da wir auf der einen Seite den Wolf schützen wollen, müssen wir auf der anderen Seite alles dafür tun, dass die Stimmung gerade auch in den ländlichen Regionen nicht kippt. So setzen wir damit künftig noch stärker auf Aufklärung und Beratung durch das Ehrenamt und die professionelle Abwicklung bei Rissen über den gesamten Prozess durch die Landwirtschaftskammer. Wir wollen so hin zu einer neuen Normalität im Umgang mit dem Wolf“, so Lies abschließend.

Die vollständige Rede des Umweltministers im Niedersächsischen Landtag zu diesem Thema finden Sie hier:

 

Quelle: Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz, 15. September 2021, Hannover

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