Neue Rote Listen 

Amphibien und Reptilien in Deutschland stärker gefährdet als andere Artengruppen

Gefährdet: der Laubfrosch. (Foto: Filip Kruchlik)
Gefährdet: der Laubfrosch. (Foto: Filip Kruchlik)
  • Jede zweite Amphibienart und mehr als zwei Drittel der Reptilienarten bestandsgefährdet
  • Für neun Amphibien- und sieben Reptilienarten hat Deutschland eine besondere Verantwortlichkeit
  • Gemeinsame Pressemitteilung mit dem Rote-Liste-Zentrum

 

Bei den Amphibien und Reptilien ist der Anteil bestandsgefährdeter Arten höher als in jeder anderen Artengruppe in Deutschland. In den letzten 20 Jahren hat sich die Situation für die meisten dieser Arten weiter verschlechtert. Jede zweite der 20 untersuchten Amphibienarten ist in ihrem Bestand gefährdet, bei den Reptilien liegt der Anteil mit neun von 13 noch höher. Dieses Resümee zieht das Bundesamt für Naturschutz (BfN) gemeinsam mit dem Rote-Liste-Zentrum (RLZ) anlässlich der Veröffentlichung der neuen Roten Listen der Amphibien und Reptilien.

Die negativen Entwicklungen überwiegen in beiden Gruppen deutlich. Bei allen Reptilien- und fast allen Amphibienarten ist der Bestand in den vergangenen 120 Jahren zurückgegangen. „Für drei Viertel der Amphibienarten und mehr als zwei Drittel der Reptilienarten wurden auch in den vergangenen 20 Jahren weitere Abnahmen festgestellt. Damit hat sich deren Bestandssituation weiter verschärft“, sagt Dr. Alfred Herberg, Leiter des Fachbereichs II im BfN. „Hauptursache für die alarmierende Gefährdungssituation der Amphibien und Reptilien ist der Verlust ihrer Lebens- und Teillebensräume. Dazu gehören Brut- und Laichbiotope, strukturreiche Sommerquartiere und frostsichere Überwinterungsplätze. Insbesondere die Auswirkungen der intensiven land- und forstwirtschaftlichen Nutzung, die Zerschneidung von Lebensräumen durch Verkehrswege sowie die anhaltende Flächeninanspruchnahme durch neue Wohn-, Gewerbe- und Verkehrsflächen sind für deren Verlust ausschlaggebend.“

In der aktuellen Roten Liste der Amphibien sind alle 21 in Deutschland vorkommenden Arten und in der aktuellen Roten Liste der Reptilien alle 14 Arten erfasst. Hinsichtlich seiner Gefährdungssituation nicht bewertet wurde der vom Menschen eingeschleppte Nordamerikanische Ochsenfrosch. Die als eigene Arten anerkannten Barrenringelnatter und Ringelnatter wurden in der Roten Liste der Reptilien gemeinsam bewertet. Erstmals standen für die vorliegenden Roten Listen Auswertungen bundesweiter Rasterverbreitungsdaten zur Verfügung, um die Bestandsentwicklung zu ermitteln.

„Es ist uns gelungen, für diese Roten Listen einen sehr großen Teil der Art-Expertinnen und -Experten Deutschlands zu gewinnen und damit einen großen Erfahrungsschatz zu bündeln. 44 Autorinnen und Autoren haben in einem eigens dafür gegründeten Rote-Liste-Gremium dieses Gemeinschaftswerk erarbeitet. Die meisten Beobachtungsdaten sind Ergebnis ehrenamtlicher Kartierungen – ohne das Engagement der ehrenamtlich tätigen Expertinnen und Experten wäre die Erstellung der Roten Listen nicht in dieser Qualität möglich gewesen“, erläutert Dr. Steffen Caspari, Leiter des Rote-Liste-Zentrums.

Viele Amphibien und Reptilien sind in Deutschland unmittelbar von der Fortsetzung von Natur- und Artenschutzmaßnahmen abhängig. „In unserer zunehmend monotonen und ausgeräumten Landschaft haben es Amphibien und Reptilien immer schwerer. Ohne tiefgreifende Veränderungen in der Land- und Forstwirtschaft werden wir einen Großteil der Arten zukünftig nur noch in wenigen isolierten Schutzgebieten vorfinden. Wir brauchen dringend eine naturverträglichere Land- und Forstwirtschaft. Zudem müssen wir die natürliche Dynamik in der freien Landschaft wieder zuzulassen und den Flächenverbrauch im Verkehrs- und Siedlungsbereich reduzieren“, erläutert Dr. Ulrich Schulte, Experte der Amphibien und Reptilien und Koordinator der beiden Roten Listen.

Zu den besonders gefährdeten Amphibienarten zählen unter anderem die Geburtshelferkröte und die Gelbbauchunke, ursprünglich Arten der Auen, die heute hauptsächlich in Ersatzlebensräumen wie Abgrabungen zu finden sind. Unter den Reptilien sind u.a. die an Fließgewässer gebundene Würfelnatter besonders gefährdet sowie die Kreuzotter, die unterschiedliche sonnenexponierte Offenland-Lebensräume, wie zum Beispiel Sandheiden oder Blockhalden, besiedelt. Aber auch bei den zehn nicht als bestandsgefährdet eingestuften Amphibienarten wurde für die Hälfte in den vergangenen 20 Jahren Bestandsabnahmen festgestellt, bei den Reptilien waren es drei von vier Arten, dazu zählen auch häufigere Arten wie der Feuersalamander oder die Westliche Blindschleiche.

Die aktuellen Roten Listen der Amphibien und Reptilien konnten für keine Art in den vergangenen 20 Jahren deutliche Zunahmen der Bestände feststellen. Bei lediglich zwei Amphibien- und bei vier Reptilienarten haben sich einzelne Vorkommen stabilisiert, was überwiegend auf Natur- und Artenschutzmaßnahmen zurückzuführen ist: Der Springfrosch profitierte beispielsweise von der Förderung des Laubwaldanteils in Wäldern und der Neuanlage von Gewässern, die Östliche Smaragdeidechse profitierte von Maßnahmen zur Erhaltung und Aufwertung der Offenland-Lebensräume sowie günstigen Witterungsphasen in den vergangenen 20 Jahren.

Neben der Gefährdungssituation haben die Autorinnen und Autoren in den aktuellen Roten Listen auch die nationale Verantwortlichkeit für die weltweite Erhaltung von Arten mit bedeutenden Vorkommen in Deutschland ermittelt. Eine erhöhte Verantwortlichkeit Deutschlands besteht für neun Arten der Amphibien und sieben Reptilienarten, darunter auch Arten, die in ihrem Bestand abnehmen wie der Laubfrosch und die noch häufigste Reptilienart Deutschlands, die Westliche Blindschleiche. Für den national ebenfalls noch häufigen Bergmolch schätzen Expertinnen und Experten, dass Deutschland fast ein Drittel der weltweiten Vorkommen beherbergt.

 

Quelle: Bundesamt für Naturschutz (BfN)

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