Balztoller Auerhahn umgesiedelt

An der Lenggrieser Hütte hat diesen Mai ein balztoller Hahn die Gästeterrasse zu seinem Balzplatz erklärt. Um ihn selbst, aber auch die Besucherinnen und Besucher vor unliebsamen Begegnungen zu schützen, wurde er kürzlich in ein ruhiges Gebiet im Mangfallgebirge umgesiedelt. Am neuen Standort ist er nun deutlich entspannter.

Ein Auerhahn (Symbolbild: iStock/JMrocek)
Ein Auerhahn (Symbolbild: iStock/JMrocek)

Normalerweise ist Auerwild sehr scheu. Die in Deutschland vom Aussterben bedrohten Tiere leben in alten lichten Bergwäldern und haben mit Menschen wenig am Hut. Doch zur Balzzeit von März bis Mai spielen die Hormone verrückt und die Hähne versuchen mit aufgeschlagenem Rad und klackerndem Gesang die Auerhuhndamen zu beeindrucken.

In seltenen Fällen verliert ein Hahn dabei die Scheu vor dem Menschen und wird balztoll. Der Mensch wird dann als Konkurrent wahrgenommen und der Hahn versucht seinen Balzplatz zu verteidigen. Das ist für Menschen nicht gefährlich, kann aber durchaus unangenehm sein. Gefährlich ist es für den Auerhahn selbst – nicht selten kommen balztolle Hähne ums Leben, weil sie einer panischen Überreaktion des Menschen zum Opfer fallen. Am besten zieht man sich ruhig und langsam zurück, wenn man einem balztollen Hahn begegnet.

An der Lenggrieser Hütte hat im Mai 2021ein balztoller Hahn die Gästeterrasse zu seinem Balzplatz erklärt, sich entsprechend verhalten und war zunehmend erschöpft. Das war ihm auch anzusehen – er hatte lange keine Zeit mehr für die Gefiederpflege und die Nahrungsaufnahme, da er rund um die Uhr mit der Verteidigung seines Balzplatzes beschäftigt war.

Um dem Tier zu helfen, haben die Landratsämter Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen, die staatliche Vogelschutzwarte und die Forstbetriebe Schliersee und Bad Tölz gemeinsam eine Umsiedlung des balztollen Auerhahns organisiert. „Spätesten ab dem Zeitpunkt, ab dem die Berghütte für den Besucherverkehr öffnete, wäre der Hahn hier noch mehr unter Stress gestanden und sein Zustand hätte sich noch weiter verschlechtert, was bis zum Tode führen kann“, befürchtete Hannah Heither, Biodiversitätsberaterin am Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen.

Der Hahn wurde vorsichtig eingefangen und in ein ruhiges Gebiet im Mangfallgebirge mit weniger Besucherverkehr und geringer Konkurrenz anderer Hähne gebracht. „Am neuen Standort hat er sich erfreulicherweise sofort entspannt und merklich wohl gefühlt.

Er verbrachte die erste Stunde in seinem neuen Lebensraum mit Fressen, der Pflege seines Gefieders und nutzte die ruhige Umgebung direkt für einen Erholungsschlaf. Dabei zeigte er keinerlei Balzverhalten oder Aggressivität. Ob er wieder rückfällig wird, gilt abzuwarten“, berichtete Florian Bossert, Gebietsbetreuer Mangfallgebirge am Landratsamt Miesbach.

Balztolle Auerhähne sind für die Population „verloren“, da sie nicht mehr von den Hennen akzeptiert werden und somit bei der Reproduktion keine Rolle spielen. Die Gründe für das fehlgesteuerte Verhalten sind nicht vollständig erforscht. Auffällig ist, dass balztolle Auerhähne fast immer an sehr frequentierten Stellen auftreten. Häufige Störungen könnten daher eine Ursache sein, was bisher jedoch nicht belegt wurde. Die Gelegenheit einen Auerhahn zu Gesicht zu bekommen, gibt es nur sehr selten. Es ist also ein großes Glück, wenn man zufällig einem so zutraulichen Exemplar begegnet. „Wenn Sie einen balztollen Hahn beobachten, melden Sie diesen bitte dem zuständigen Landratsamt, damit das Tier gegebenenfalls gerettet werden kann und nicht zu Tode kommt“, bittet Elena Weindel von der Staatlichen Vogelschutzwarte in Garmisch-Partenkirchen.

 

Quelle: Landkreisamt Bad Tölz-Wolfratshausen, Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen/Landkreis Miesbach.

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