Safari-Land Namibia: Quo vadis?

Kai-Uwe Kühl mit Gedanken über die Zukunft Namibias, dem Einsteigerland für die ersten jagdlichen Erfahrungen für die meisten deutschen Jäger auf dem afrikanischen Kontinent.     

Namibia

Foto: manuzoli

Namibia, für viele deutsche Jäger das Land mit Kaisertradition und traumhaften, aber oft unwirtlichen und weiten Wüstenlandstrichen. Das Land der Sehnsucht von persönlichen Träumen und ein Safari-Land wie aus dem Bilderbuch. Der Tourismus, insbesondere der Jagdtourismus, spielt viele Namibische Dollar ins Land und ermöglichte den oft deutsch sprechenden Farmern eine einträgliche Einnahme und die Möglichkeit, den Erhalt einer einmaligen Flora und Fauna sowie den Schutz der Spitz- und Breitmaulnashörner zu finanzieren.

Touristen, die lediglich das Land besuchen, um ihren Kurzurlaub dort zu verbringen, um mit wunderbaren Eindrücken wieder nach Hause zu fliegen, bekommen die wahren Probleme des Landes und der Farmer nur rudimentär mit. Sitzt man aber regelmäßig mit Unternehmern, Handwerkern und einheimischen Farmern zusammen, so bekommt man einen Einblick in die wahren Herausforderungen der Bevölkerung.

Der Status quo: Von chinesischem Neokolonialismus, Korruption und Regierungsversagen

Wie in Sambia und Simbabwe betreibt China auch in Namibia einen Neokolonialismus erster Güte und hat dabei leichtes Spiel – ist Namibia doch sprichwörtlich pleite. Die Regierung zahlt den weißen Unternehmern seit Jahren keine oder nur sehr sporadisch zu viel eingenommene Steuern zurück. Auf der anderen Seite werden die Unternehmer verpflichtet, innerhalb kürzester Zeit, deren Mehrwertsteuerbeträge auf Einnahmen zu überweisen. Die Wirtschaft erodiert: Die Immobilienpreise in Windhoek sind bis zu 30 Prozent gesunken, genauso wie das Interesse der Investoren, die mangels Attraktivität mehr und mehr wegbleiben.

Wer Geld auf dem Konto hat, belässt es dort. Korruption und Misswirtschaft der Regierung treiben das Land in die Sackgasse. Die Regierung versucht vergeblich, staatliche Unternehmen an der Börse zu platzieren, um Einnahmen zu generieren. Allerdings ohne Erfolg. Aber es steht ja der große Freund China zur Seite. Mit immer mehr Krediten und Finanzspritzen erkauft sich das Land immer größeren Einfluss in Namibia. Inzwischen leben ca. 60.000 Chinesen im Land. Das Gros der Bergbauminen ist inzwischen in chinesischer Hand. Und jedes Jahr werden weitere neue Minen an China übertragen, weil Namibia die Kredite nicht zurückzahlen kann. Alle großen Bauaufträge werden an chinesische Firmen vergeben. Allerdings werden dort nur chinesische Arbeiter eingesetzt. Und in Walfisch-Bay ist ein moderner Hafen von chinesischen Firmen erbaut worden, der auch nur chinesische Arbeiter beschäftigt. So profitiert die einheimische Bevölkerung in keinster Weise von den geschaffenen Arbeitsplätzen.

Insider bestätigen, dass chinesische Firmen in großem Stil namibisches Holz exportieren, welches unkontrolliert eingeschlagen wurde und auch, dass Wilderei mit mafiaähnlichen Methoden betrieben wird – wobei hier wiederum die arme Landbevölkerung mit eingebunden wird. Fast täglich verlassen zahlreiche gewilderte Trophäen (Elfenbein, Löwenpenisknochen, Nashorn-Hörner) unkontrolliert den Hafen von Walfisch-Bay in Richtung Asien.

Für die einheimische, meist arme und wenig (wenn überhaupt) gebildete Landbevölkerung ist es schwierig, diese für ihr Land negativen Entwicklungen zu erkennen oder gar zu hinterfragen. So sehen die Einheimischen China eher unreflektiert als großen Freund Namibias – lässt es sich doch in den inzwischen sehr zahlreich gewordenen chinesischen Geschäften günstig Shoppen.

Unterhält man sich jedoch mit jungen und gebildeten Studenten in Windhoek, so hört man Sätze wie: Wir müssen die Vereinten Nationen (UN) in New York bitten, uns zu helfen. In 10 Jahren sind wir eine chinesische Kolonie und dann wird China auch Land fordern, weil Kredite nicht zurückgezahlt werden können und sowieso schon alle Bergbauminen in chinesischer Hand sind.

Zu allem Elend kommt jetzt noch hinzu, dass die Regierung eine zweiprozentige Steuer erhebt, um Geld in einen Drought-Fond einzuzahlen. Vordergründig sollen damit die seit Jahren unter der Dürre leidenden Farmer und Menschen unterstützt werden – doch weiß bis heute niemand, wofür das Geld wirklich verwendet wird, da die Transparenz von staatlicher Seite aus fehlt. Zu befürchten ist, dass auch diese neue Steuer wahrscheinlich wieder nur zum Stopfen von Haushaltslöchern verwand und nie bei den eigentlich Bedürftigen ankommen wird. So gibt es bis heute kein Förderprogramm der Regierung, wo Hilfsgelder beantragt werden könnten.

Deutsche Entwicklungshilfe

Seit Jahrzehnten ist die deutsche Entwicklungshilfe großer Geldgeber in Namibia. Teils aus dem schlechten Gewissen heraus, dass die deutsche Kolonialmacht vor mittlerweile 115 Jahren den sogenannten „Herero-Aufstand“ brutal niedergeschlagen hat, teils, weil es in den letzten 100 Jahren viele deutschstämmige Familien und Unternehmer in Namibia gab. Nur spricht man mit diesen, so hört man, dass die Millionen oder gar Milliarden an deutscher Entwicklungshilfe irgendwo versandet sind.

Neuesten Gerüchte zufolge sollen die Kosten pro Kilometer für die neugebaute Autobahn zwischen Windhoek und Okahandja das Fünffache von dem betragen, was ein Autobahnkilometer in Deutschland kosten würde. Es darf die Frage gestellt werden, ob die Bundesregierung je einen Kontrollmechanismus verlangt hat, wofür die Regierung in Namibia deutsche Steuergelder eingesetzt hat? 

Die namibische Regierung verspricht seit vielen Jahren der treuen Swapo-Wählerschaft den Rückkauf von Farmland. Vielen Farmern wurde somit die Möglichkeit genommen, deren Grundbesitz bestmöglich zu verkaufen. Etliche ausländische Investoren schreckte das ab. Es sei denn man ist russischer oder mexikanischer Milliardär oder europäischer Multimillionär und verfügt über entsprechende Kontakte und finanzielle Mittel für Sonderzahlungen an die Regierungsentscheider, um Farmen in großem Stil erwerben zu können.

In den letzten zwei Jahren spitze sich schließlich die Entwicklung so zu, dass die Regierung nun bereit ist, den Verkauf von Farmen an ausländische Investoren zu genehmigen, weil einfach kein Geld vorhanden ist, den versprochenen Landrückkauf finanzieren zu können.  Auch hier verdient die Regierung wieder kräftig mit. Nur: Wer investiert in ein Land, welches sich mehr und mehr zu einem chinesischen Satelliten entwickelt?

Flora und Fauna als Leidtragende

Für Flora und Fauna sind die Perspektiven in allen Landesteilen dramatisch. Der Caprivizipfel wird immer weiter bevölkert und Menschen und Rinderherden zerstören systematisch dieses Wildparadies zwischen Chobe und Sambesi. Ehemalige Spitzenkonzessionen wie Salambala bestehen fast nur noch aus Rinderherden und deren Hirten, während Elefanten dieses Gebiet meiden. In den letzten Jahren konnten die geforderten Quoten für Elefanten nicht mehr erreicht werden. Etliche Jagdtourismusfirmen ziehen sich zurück. Dabei sind die Umweltbehörden und Konzessionseigner verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die entsprechenden Gebiete menschen- und rinderfrei gehalten werden. Aber die farbige Bevölkerung wählt die „Swapo“, wächst zusehends und wer viele Rinder hat, ist wohlhabend. Flora und Fauna sind die Leidtragenden dieser Entwicklung.

Maul- und Klauenseuche sind im Norden Namibias ein großes Problem. Dazu kommt die Tollwut, die die Kudubestände dahinrafft. Im Süden des Landes lässt die jahrelange Dürre viele Farmer die Rinder- und Schafzucht aufgeben. Und nur von Kürbisplantagen lässt sich nicht überleben. Bei dem kappen Nahrungs- und Äsungsangebot konkurrieren heutzutage auf den Farmen in der Kalahari Nutztiere wie Rinder und Schafe mit tausenden Springböcken, Oryx und Kudus. Ab September wird damit gerechnet, dass tausende Nutztiere verdursten und verhungern werden. Aber auch das Wild wird einer normalen Mortalität erliegen und nur die Stärksten werden bis zur möglichen Regenzeit überleben.

Der Fleischmarkt ist völlig gesättigt, da etliche vorausschauende Farmer schon im letzten Jahr ihre Rinderherden verkauft haben, wissend, dass die Dürre kommt. Die Farmer, die immer noch der Hoffnung erlegen waren, dass der Regen kommt, können ihre Rinder kaum noch absetzen und wenn, dann zu Preisen, die nur um die 100 Euro pro Tier liegen. Betriebswirtschaftlich ist dieses nicht mehr sinnvoll. Daher werden nach neuesten Erkenntnissen zahlreiche Farmer bis zum nächsten Frühjahr ihren Betrieb aufgeben oder einstellen.

Welche Einnahmen sind überhaupt noch zu generieren? Sicherlich die einer natürlich nachwachsenden Ressource wie dem Wild. Hauptwildart in der Kalahari sind die Springböcke. 

Foto- und Jagdtourismus als wichtige Einnahmequelle: Naturschutz durch Naturnutzung zur Existenzsicherung

Gemeinsam mit seinem Partner Bertus Pretorius hat K&K Premium Jagd ein Konzept entwickelt, das ausgewählten Farmern eine einträgliche Einnahme aus dem Abschöpfen von Springböcken in großer Zahl ermöglicht. Und dieses, bevor das Wild ab Herbst verhungert. Mit einer Art „Bewegungsjagd“ wird der Wildbestand einreguliert. Die Abschussvorgabe und Freigabe der NAPHA beträgt 1.000 Springböcke auf den vorgesehenen Farmen. Um den Jagddruck und Aufwand in Grenzen zu halten, werden durch K&K einige mehrtägige Bewegungsjagden vermarktet und durchgeführt. Alle zwei Tage wird das wertvolle Wildbret von einem Wildhändler mit einem Kühlfahrzeug aus Okahandja abgeholt und so der Nahrungskette wieder zugeführt. Dieses Konzept hilft den sich beteiligenden Farmern, die von Existenzangst betroffen sind, noch Einnahmen zu generieren, um ein mögliches Überleben und Fortführen ihrer Betriebe gewährleisten zu können.

Ausblick: Quo vadis Namibia?

Im Herbst wird wieder ein neues Parlament in Namibia gewählt. Sicherlich werden wieder einige Wahlversprechungen gemacht. Aber die Zweifel der Bevölkerung an den verantwortlichen Politikern steigen.

Abschließend ist die Frage zu stellen: Quo vadis Namibia? Seit Generationen haben die Namibier gelernt, mit der rauen Natur und den Wettersituationen umzugehen. Aber es ist und bleibt ein täglicher Kampf. Vermisst werden Konzepte der Regierung, wie ein Strukturwandel erreicht und eine faire Steuerpolitik umgesetzt werden kann. Denn bisher zahlen nicht alle Unternehmen Steuern.

Einen möglichen Lösungsansatz bietet ein seriöser und nachhaltiger Foto-/Jagdtourismus mit Augenmaß und Weitblick, auch wenn dies einige nicht wahrhaben wollen.

Denn die Frage, die über allem schwebt, bleibt, wie die wertvollen Landschaften erhalten und die heimischen Wildarten geschützt werden können? Denn bei der sich täglich verschärfenden Wasserknappheit hat der klassische Farmbetrieb auf Dauer keine Überlebenschance. Die knapper werdende Ressource Wasser entscheidet über die weitere Entwicklung Namibias. Da mögen die chinesische Kolonialisierung und Ausbeutung nur zweitrangig wirken.

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