Wolfsriss in Streichelzoo – Bauernbund verliert Geduld

Brandenburgische Landwirte wollen Problemwölfe unkompliziert entnehmen lassen – Neuester Wolfsriss trifft Schafe aus Streichelzoo

Wölfe fressen Fleisch

Der Bauernbund Brandenburg verliert angesichts der ständig steigenden Zahl an Wolfsrissen die Geduld. Der Verein, der vor allem die Interessen bäuerlicher Familienbetriebe vertritt, forderte von Landesumweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) eine Wolfsverordnung, „um zum Schutz von Mensch und Weidetieren Problemwölfe unkompliziert entnehmen zu können“. 

Bei Kälbern hätten sich die bestätigten Wolfsrisse in diesem Jahr mit aktuell 19 Fällen mehr als vervierfacht, erklärte der Bauernbund – und die Dunkelziffer sei hoch. „Mit Zäunen und Hunden kommen wir nicht weiter“, betonte Vorstandsmitglied Marco Hintze. „Wir brauchen einen aktiven Herdenschutz, der sofort durch die Jäger vor Ort umgesetzt werden kann.“ Frank Michelchen, Mutterkuhhalter und Wolfsbeauftragter des Bauernbundes, erklärte: „Man wirft uns hochnäsig vor, wir hätten das Rotkäppchen-Syndrom. Ich sehe eher das Dornröschen-Syndrom auf der anderen Seite.“ Denn die Naturschutz-Verantwortlichen in Brandenburg befänden sich im Tiefschlaf.

Erst Mitte dieser Woche töteten Wölfe in Brandenburg fünf Schafe aus einem Streichelzoo. Laut einem Bericht der Märkischen Allgemeinen geschah der Vorfall in der Friedensstadt Glau (Kreis Teltow-Fläming). Die Tiere beweideten die Ausgleichsfläche für eine Photovoltaikanlage und waren daher nur von einem ein Meter hohen Zaun umgeben. In ihrem eigentlichen Gehege hätte sie ein 1,80 Meter hoher Zaun geschützt. Die 18 überlebenden Streichelzoo-Schafe, die an Menschen gewöhnt sind, drängten sich nach dem Wolfsangriff in der hintersten Ecke ihres Geheges eng aneinander, heißt es in dem Bericht. „Die haben jetzt total Angst“, sagte der ehrenamtlich engagierte Mitarbeiter Dankwart Hempel. Gegenüber der Zeitung äußerte sich auch der Vorsitzende des regionalen Schäferstammtischs, Lutz Ritter. Nutztierrisse kämen jetzt schon fast im Wochenrhythmus vor, beklagte er. „Die Wölfe kommen immer näher an die Dörfer – sie haben jede Scheu vor den Menschen verloren.“

Nachdem sich jetzt bestätigt hat, dass auch ein kürzlich in Mecklenburg-Vorpommern aufgefundenes Jungrind von einem Wolf angegriffen worden war, hat Landesumweltminister Dr. Till Backhaus (SPD) beantragt, dass sich die Umweltministerkonferenz Ende November in Berlin mit dem Thema Wolf befasst. Backhaus betonte, „wie wichtig eine sachlich geführte Debatte über den Umgang mit dem Wolf ist“. Angesichts der dynamischen Entwicklung und neuer Erkenntnisse über Aktions- und Lebensräumen der Wölfe führe kein Weg daran vorbei, über mögliche Maßnahmen zu beraten.

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