Wolfsmischlinge kein Einzelfall

Nachweis einer gelungenen Verpaarung von Haushund und Wolf: Schweden gibt Hybride zum Abschuss frei.

Wolf im Feld

Symbolbild

Zufälle gibt’s: Nahezu zeitgleich mit den Meldungen über Wolfsmischlinge in Thüringen kommt aus Schweden der Nachweis, dass dort eine solche Kreuzung in freier Wildbahn erfolgreich war. Die sechs Jungtiere sollen nun schnellstens getötet werden.

In Schweden ist dies der erste Nachweis einer gelungenen Verpaarung von Haushund und Wolf. Frühere Verdachtsfälle hatten sich dort nicht eindeutig bestätigt. In Deutschland wurden bereits im vergangenen Jahr drei solche Mischlinge im sächsisch-tschechischen Grenzraum geboren.

Während es nun in Thüringen noch letzte Zweifel gibt, ist der Fall in Schweden nach einer vertieften DNA-Untersuchung klar: Die sechs Jungtiere, die nördlich der Stadt Katrineholm umherstreifen, haben einen Hund zum Vater. Beim Thüringer Mischlingsverdacht steht dieser letzte Beweis noch aus.

Was auffällt: Hier wie dort zeigen Fotos extrem dunkel gefärbte, nahezu schwarze Tiere. Weshalb Fachleute auch in Thüringen sehr sicher sind, das ein Hund mitgemischt hat. Mit dem Gentest wird es dort allerdings – wie regelmäßig in Deutschland – noch etwas länger dauern. Trotzdem soll die Jagd auf die mutmaßlichen Mischlinge schnellstens beginnen.

Klare Begründung: Wenn sich die Hunde-Gene weiter innerhalb der wild lebenden Population ausbreiten, ist diese in ihrem Bestand gefährdet, heißt es beim DBBW, der „Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf“ in Görlitz. Wie in Schweden berufen sich die Experten dort auf die Berner Konvention, die zwingend eine Entnahme von Wolfsmischlingen vorsieht.

Aber während in Schweden die Rechtslage geregelt ist und bereits zum Wochenbeginn eine entsprechende Abschussverfügung erwartet wird, dürfte es in Deutschland etwas länger dauern. Mischlinge der ersten Generation gelten rechtlich als Wölfe und sind ebenso wie diese streng geschützt.

Also eben die Verwirrung, die bei Problemwolf „Kurti“ dafür sorgte, dass die befragten Jäger seinerzeit lieber den Finger grade ließen und das Tier am Ende im Regierungsauftrag durch einen Polizeibeamten erlegt wurde. Wie schon Braunbär „Bruno“ seinerzeit in Bayern.

In der Tierrechtler-Szene kursiert dennoch die Parole, dass es die Jäger kaum erwarten können, die Mischlinge „abzuknallen“. Was schon daran scheitern muss, dass Wölfe nicht dem Jagdrecht unterliegen und bisher eindeutige Regelungen etwa für die „Entnahme“ von Mischlingen oder Fangschüsse nach Verkehrsunfällen schlicht fehlen.

Was für die Jäger kein Schaden sein muss: Der MDR berichtet bereits, dass sich die Thüringer Jägerschaft angesichts der Anfeindungen in die Mischlingsdebatte nicht einmischt, so gut es geht. Nebenbei: Den letzten überlebenden Mischling aus dem Sachsen-Wurf vom letzten Jahr ereilte sein Schicksal vermutlich in Tschechien. Dort gab es eine klare Abschussverfügung – und keine Diskussionen, ob es genügen könnte, das Tier zu kastrieren.

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