Wolfsmanagement: Jäger fordern Rückzugsräume und Obergrenzen

Der Landesjagdverband Brandenburg äußert sich mit einem Forderungspapier zum Wolfsmanagement. Dieses soll nach Ablauf Ende 2017 um weitere drei Jahre verlängert werden.

Wölfe in Brandenburg

Foto: raincarnation40

In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Wölfe in Brandenburg stark zugenommen. Vor allem Brandenburgs Bauern zeigen sich besorgt über diese Entwicklung. Häufig reißen Wölfe gleich mehrere Tiere in den Herden und richten so auf den Weiden – trotz Schutzzäunen – großen Schaden an. Der Landesjagdverband Brandenburg hat ein Forderungspapier veröffentlicht und empfiehlt darin unter anderem die Herabstufung des Schutzstatus des Wolfes.

Laut aktuellen Statistiken leben in Brandenburg 22 Wolfsrudel und zwei Paare. Der Bauernbund Brandenburg forderte erst kürzlich, dass Wölfe künftig gejagt werden dürfen (wir berichteten). Ihre Machtlosigkeit brachten die Landwirte auch Ende März mit landesweiten Wolfswachen zum Ausdruck (wir berichteten).

Landwirte beklagen allerdings nicht nur steigende Verluste durch Wolfsangriffe, sondern auch lange Wartezeiten bei Entschädigungen und ein falsches Wolfsmanagement der Landesregierung. Der aktuelle Wolfsmanagementplan (WMP), der bis einschließlich 2017 befristet ist, soll nun fortgeschrieben werden. Der Landesjagdverband Brandenburg e.V. (LJVB) hat im Zuge der Evaluierung des Wolfsmanagementplans ein Forderungspapier veröffentlicht. Im Rahmen des morgigen Wolfsplenums in Potsdam wird dieses diskutiert.

Ein Schwerpunkt der Forderungen ist das Konfliktmanagement. So empfiehlt der Verband eine konkrete Herabstufung des Schutzstatus des Wolfes sowie ein aktuelles und öffentliches Monitoring, das auch über eine Smartphone-App abrufbar ist. Bei Vergabe von Monitoringflächen und „Suchräumen“ durch das Land sind die Grundbesitzer und Jagdausübungsberechtigten miteinzubeziehen. Zudem sollen die Bestandsentwicklung des Wolfes sowie Schäden und Konflikte mit dem Wolf halbjährlich ausgewertet werden.

Ein weiterer Punkt ist die Festlegung von Zuständigkeiten und Maßnahmen beim Erreichen der Obergrenzen und im Umgang mit Problemwölfen. Ferner soll der Begriff Problemwolf genau definiert werden. Auch die Umweltverbände International Fund for Animal Welfare (IFAW) und der Naturschutzbund (NABU) ziehen eine kritische Bilanz im Umgang mit Problemwölfen und fordern mehr Qualität, Transparenz und eine bessere Vernetzung im Wolfs-Monitoring von Bund und Ländern. Zudem fordern sie, dass die Behörden im Umgang mit Problemwölfen die neue Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes für den Wolf (DBBW) zu Rate ziehen.

Laut LJVB gilt es, Rückzugsräume wie Truppenübungsplätze oder Tagebau-Rekultivierungsflächen eindeutig als Wolfsgebiete auszuweisen. Für die wissenschaftliche Begleitung des WMPs fordert der LJVB die weitere Erforschung der Wechselbeziehungen zwischen Wolf und Mensch. Im Hinblick auf die oft vermutete Vermischung (Hybridisierung) von Wölfen und Hunden sollen genetische Untersuchungen erfolgen.

Unter dem Punkt Koordination und Kommunikation führt der LJVB die Forderung von flachen Entscheidungshierarchien beim Umgang mit Problemwölfen an. Zudem soll eine Genehmigung zur Entnahme von Problemwölfen innerhalb von 48 Stunden in Absprache mit den Jägern erteilt werden können.

Auch die Rechtssicherheit soll laut dem Forderungspapier noch eindeutiger geregelt sein. Dabei fordern die Jäger verschiedene Entschädigungsstufen. Ein Rechtsanspruch auf den finanziellen Ausgleich für getötete Jagdhunde soll ebenso geltend gemacht werden können wie die Entschädigung bei Wolfsangriffen auf Weidetiere und dadurch verursachte Sekundärschäden.

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