Wisent-Streit: Neues Urteil – alte Unklarheiten

Der Trägerverein des Auswilderungs-Projekts im Rothaargebirge muss Maßnahmen gegen Schälschäden ergreifen – wie diese aussehen könnten, ist weiter unklar.

Wisent

Der Trägerverein des Wisent-Projekts im Rothaargebirge muss geeignete Maßnahmen ergreifen, um zu verhindern, dass die Tiere an Bäumen auf den Flächen mehrerer Waldbauern Schäden anrichten. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) Hamm entschieden. Die Richter stellten ihr Urteil jedoch unter den Vorbehalt, dass der Verein für seine Maßnahmen Ausnahmegenehmigungen von den zuständigen Naturschutzbehörden erhält.

Wegen der Schäden, die die Wisente an ihren Bäumen anrichten, waren mehrere Waldbesitzer aus der Region vor Gericht gezogen (wir berichteten). Das Landgericht Arnsberg hatte den Trägerverein des Wisent-Projekts bereits verpflichtet, „geeignete Maßnahmen“ gegen die Wisente in den Wäldern der Bauern zu ergreifen. Das Oberlandesgericht bestätigte dies nun. In der Urteilsbegründung heißt es, indem die Wisente die Grundstücke der Bauern betreten und dort die Buchen schälen würden, beeinträchtigten sie das Eigentum der Waldbesitzer. Allerdings stuften die Richter die ausgewilderten Wisente eindeutig als wild lebende Tiere einer besonders geschützten Art ein. Auf der Basis des Naturschutzrechts ergebe sich daher eine grundsätzliche Duldungspflicht der Waldbauern – sollte der Trägerverein keine Ausnahmegenehmigungen für seine Maßnahmen erhalten. Abgesehen vom Nachstellen und Fangen gebe es keine anderen geeigneten Maßnahmen zur Verhinderung von Schäden, die nicht gegen das Bundesnaturschutzgesetz oder andere Normen verstoßen würden, betonten die Richter.

„Heute hat also keine der Parteien gewonnen oder verloren“, erklärte der Sprecher des Oberlandesgerichts, Christian Nubbemeyer, gegenüber dem WDR. Das Gericht habe „einen Weg weisen wollen“, um das Problem zu lösen. Eine Genehmigung vorausgesetzt, könnte es eine Lösung sein, die Wisente wieder einzuzäunen. Genau dies hatte der Anwalt eines klagenden Waldbauern, Hans-Jürgen Thies, kürzlich als wenig praktikabel bezeichnet. Beim Einzäunen der Wisente hätten schließlich auch keine anderen Tiere und auch keine Menschen mehr Zutritt zum Wald, sagte Thies gegenüber Outfox-World (wir berichteten).

Da eine Revision der Hammer OLG-Entscheidung zum Bundesgerichtshof zugelassen ist, könnte es noch eine ganze Zeit dauern, bis der Streit um die Wisente beigelegt ist und die Frage beantwortet wird, ob letztlich Eigentumsrechte schwerer wiegen als die Belange des Naturschutzes.

Das könnte Sie auch interessieren

Folgen Sie uns!