Wieder muss ein Raubtier leiden

Solche Meldungen könnten mittlerweile auch aus Deutschland stammen: In Schweden musste wieder mal ein Raubtier stundenlang leiden, weil die Polizei einen örtlichen Jäger am Fangschuss hinderte.

Luchs

Symbolbild: sipa

Diesmal passierte das Drama nahe der Stadt Hudiksvall. Ein Luchs liegt nach der Kollision mit einem Auto schwer verletzt im Gebüsch neben der Straße. Ein Jäger aus der Gegend kommt dazu. Aber er fragte erst bei der Polizei, ob er den Fangschuss abgeben darf.

An dieser Stelle wird’s spannend: Wie vor wenigen Wochen in der Provinz Värmland, bestanden die Polizeibeamten darauf, einen speziellen Nachsuchenjäger für Raubtiere anzufordern. Nachdem es seinerzeit in Värmland auch von Tierfreunden Proteste hagelte, weil der angefahrene Wolf eine gefühlte Ewigkeit leiden musste, erklärte der örtliche Polizeichef später, dass dieses Vorgehen nicht nötig gewesen sei.

Nun wieder die gleiche Verwirrung: Der Nachsuche-Spezialist muss her. Was auch deshalb nicht einfach ist, weil die Telefonnummern dieser extra ausgebildeten Jäger streng geheim sind – vor allem wegen der Gefahr, dass Wolfsfreunde gewalttätig werden. Im Fall des Luchses dauerte es so eine geschlagene Stunde bis der Fangschuss fiel.

Ähnlichkeiten mit Deutschland sind nicht zufällig. Angefahrene Wölfe, bis zu deren Ableben auf den Amtstierarzt gewartet werden musste, hatten wir auch schon. In Niedersachsen haben wir sogar den Wolfsrettungswagen, dessen Erfinder dringend auf Einsätze warten.

Der große Unterschied: In Schweden ist die Rechtslage eigentlich klar. Das betonen zumindest die Ober-Behörden, wenn es wieder mal zu grausamen Szenen gekommen ist. In der Jägerschaft gibt es aber auch die Vermutung, dass auf dem kleinen Dienstweg die Angst eine Rolle spielt, Jäger könnten ohne Not Wölfe töten, die noch gerettet werden könnten.

Vermutlich das noch größere Problem: Immer mehr Jäger verweigern schlicht die Nothilfe in solchen Fällen, nachdem einem jungen Fangschuss-Schützen zweimal das Auto zertrümmert wurde und ihn Tierrechtler dann auch noch mit Knüppeln traktierten.

Der für den jüngsten Zwischenfall zuständige Sprecher der Nationalen Wildunfall-Organisation sagte dem schwedischen Jäger-Magazin „Svensk Jakt“, dass es „tragisch“ sei, wenn sich in der Gesellschaft das Gefühl entwickelt, es sei heikel, ein leidendes Raubtier zu töten. Dabei mache es in solchen Fällen rechtlich keinen Unterschied, ob da ein Reh in seinem Blut liegt oder aber ein Luchs.

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