„Wald vor Wild“: Streit zwischen Sachsenforst und Hegegemeinschaft

Das Rotwild steht im Erzgebirge im Fokus – schießt Sachsenforst zu viele Tiere?

Daniela Fett – Rothirsch

Foto: Daniela Fett

Zwischen dem Staatsbetrieb Sachsenforst und der Hegegemeinschaft Erzgebirge sind die Fronten verhärtet. Es ist der typische Streit um das Thema „Wald vor Wild“. Förster wollen ihre Wälder vor Verbissschäden schützen, die Jäger befürchten, dass zu viel Rotwild geschossen wird. Zusätzlicher Streitpunkt sind zwei Studien – bei beiden geht es um das zukünftige Wildtiermanagement im Erzgebirge. Während die Studie von Sachsenforst seit dem Frühjahr läuft, liegt die der Hegegemeinschaft auf Eis. Sie sollte deutlich umfangreicher und aus Mitteln der Jagdabgabe finanziert werden. Die Gelder wurden aber nur zu einem Drittel bewilligt. Und wer verwaltet das Geld? Sachsenforst!

Im Wochenendspiegel spricht Karsten Bergner, 1. Vorsitzender der Hegegemeinschaft Erzgebirge, deshalb offen über mögliche Hintergründe und spart nicht mit Kritik: „Unser Projekt läuft auf allen Ebenen über neutrale Wissenschaftler (Anmerkung der Redaktion: In Zusammenarbeit mit der TU Dresden und dem Nabu). Es ist also nicht beeinflussbar. Offenbar ist das auch der Punkt. Offensichtlich hat Sachsenforst Angst davor, dass bestimmte Wahrheiten aufgedeckt werden. Unser Projekt erstreckt sich über alle Flächen, auch die der Landwirtschaft, und über alle Wildarten. Auch hier will Sachsenforst nicht, dass wir Untersuchungen z.B. zum Schwarzwild und den großen Beutegreifern machen.“ Die Studie von Sachsenforst läuft bereits seit dem Frühjahr und kostet, nach Bergners Aussage, gut 560.000 Euro. Das Geld werde aus Haushaltsmitteln aufgebracht, sagt er.

Bei Sachsenforst kann man die Kritik, vor allem an der intensiven Jagd, nicht ganz nachvollziehen. Dem MDR sagte Forstbezirksleiter Stephan Schusser: „Wenn wir die starke Bejagung aufheben, dann würde das Rotwild sofort hier wieder seinen Lebensraum einnehmen und die Bäume abäsen.“ Und das schade dem Waldumbau. Während es in den 1980er Jahren noch vor allem Fichten-Monokulturen gab, wird seit längerem auf einen gesunden Mischwald gesetzt. Der kommt besser mit dem Klimawandel zurecht und bietet einen wertvolleren Lebensraum für Wildtiere. Das Problem: Rot- und Rehwild fressen die jungen Triebe und die Bäume können nicht vernünftig wachsen (wir berichteten). Zusätzlich schält das Rotwild die Rinde von den Bäumen. Dadurch werden sie zerstört oder sind anfälliger für Pilze. Der Waldumbau sei nur durch eine konsequente Jagd gelungen, sagt Sachsenforst deshalb. Die Hegegemeinschaft hält dagegen. Vor allem die intensiven Treibjagden bis in die Wintermonate hinein hetzten das Rotwild so stark, dass es zu viel Energie verbrauche. Erst deshalb käme es zum Verbiss.

Wie der MDR berichtet, soll sich der Petitionsausschuss im Sächsischen Landtag bald mit dem Thema befassen. Bei einer Anhörung Ende letzten Jahres waren die geladenen Fachleute allerdings nicht auf Seiten der Hegegemeinschaft.

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