Umweltverschmutzung: Jäger machen ihrem Ärger Luft

Gleich zwei besonders dreiste Fälle von illegaler Müllentsorgung erhitzen aktuell die Gemüter.

Illegal entsorgter Müll

Symbolbild: byrev

Revierförster Harald Eisenkrätzer ist sauer. Noch eine Woche zuvor hat er gemeinsam mit dem zuständigen Jagdpächter den Haldensleber Stadtwald von Unrat befreit, nun steht er schon wieder vor haufenweise leeren Zementtüten, Plastikflaschen und Lebensmittel-Verpackungen. Immer wieder wird der Wald von Unbekannten als illegale Müllkippe missbraucht, wie Volksstimme.de berichtet. Eisenkrätzer ärgert sich besonders über die Tatsache, dass der Wald eigentlich gerade wieder sauber war.

Einen großen Container voller Müll hatte er am Samstag zuvor gemeinsam mit Mitgliedern der Hegegemeinschaft bei der Aufräumaktion gesammelt und entsorgt. „Am Freitag rief mich der zuständige Jagdpächter für diesen Bereich an und teilte mir mit, dass hier schon wieder Müll entsorgt wurde“, berichtet Förster Eisenkrätzer. Er vermutet, dass es sich um Wiederholungstäter handelt. „Wir hatten hier ganz in der Nähe schon einmal Bauabfall“, erinnert sich der Förster. Die illegale Müllhalde sei etwa 350 Meter von der Bundesstraße 71 entfernt. Über einen Schleichweg erreicht man den Wald, von wo aus man direkt wieder zur B71 gelangt. „Hier fährt keiner auf blauen Dunst lang“, vermutet Eisenkrätzer gegenüber der Zeitung. Die dreisten Täter machten selbst vor den Schranken, mit denen der Waldweg versperrt sei, nicht Halt. „Die werden einfach geöffnet.“ Er wird die Tat nun beim Umweltamt des Landkreises anzeigen.

Auch Jäger Marcus I. hat es satt. Er macht seinem Ärger in einem langen Facebook-Posting samt Beweisfotos Luft. Der Grund ist ein ganz ähnlicher Fall: An den vergangenen Wochenenden hat er seine Zeit damit verbracht, sein Revier von illegal entsorgtem Abfall zu befreien. Was er bei seinen Säuberungsaktionen alles aus dem Wald geborgen hat, ergänzt er in den Kommentaren: Von Stacheldraht und Teppichboden über Flaschen, Verpackungen und Koffer bis hin zu einem Kindersitz, Fahrzeugteilen und Chemikalien ist alles dabei. Auch Glasscheiben und Autoreifen, ja sogar eine überfahrene Ricke wurden nach den Angaben des Jägers achtlos im Wald entsorgt.

Allein diese Umweltvergehen wären Grund genug, aufgebracht zu sein. Doch was dann passiert, macht nicht nur I., sondern auch die Facebook-Nutzer fassungslos: Die an mehreren Wochenenden mühsam gefüllten Müllsäcke, die in einer Schutzhütte zwischengelagert wurden, werden von bislang Unbekannten aufgerissen, ausgeleert und der Müll wieder im Wald verteilt. Tiere wie Katze oder Fuchs schließt I. als Übeltäter aus. Seinen Facebook-Text nutzt der Jäger nicht nur dafür, seinem Ärger über diese Taten Luft zu machen, sondern adressiert zudem Jagdgegner und „Mit-dem-Finger-auf-andere-Zeiger“: „Ich vermisse im Speziellen eure kleinen analogen Taten, nicht eure großen virtuellen Worte, denn die sehe und lese ich zur Genüge“, schreibt er.

„Nein, ich habe die letzten Tage keine Eisbärbabys gerettet oder Hochsitze umgesägt. Ich habe auch nicht gejubelt, als der letzte Jäger von einem sterbenden Elefanten erschlagen wurde, noch habe ich fadenscheinige Petitionen oder selbstgerechte Lügen verteilt. Ich habe nicht mal vegane Gummibärchen gekauft. Meine Taten waren im Vergleich zu Euren relativ bescheiden, denn ich habe nur vor der sprichwörtlichen eigenen Haustüre gekehrt.“ In den Kommentaren finden sich viele, die I. beipflichten und ihm für seine klaren Worte danken. Andere erzählen von ihren eigenen Erfahrungen und teilen Fotos vom Müll, den sie selbst im Wald aufgesammelt haben.

Der Müll wird schnell zur tödlichen Gefahr, wenn die Tiere ihn fressen oder sich darin verfangen. Farbreste und andere Chemikalien können den Boden verseuchen und bedrohen dann gesamte Ökosysteme. Viele Jäger starten deshalb in regelmäßigen Abständen Müllsammelaktionen, um die Natur von den menschlichen Hinterlassenschaften zu befreien (wir berichteten).

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