Trichinenbefall bei Wildschweinen in Brandenburg

Mehrere Nachweise von Trichinen in den Landkreisen Dahme-Spreewald, Barnim und Teltow-Fläming 

Die größte Gefahr sich mit Trichinellose anzustecken geht von Wildschweinen aus. (Beispielbild: Michal Renčo)

Die größte Gefahr sich mit Trichinellose anzustecken geht von Wildschweinen aus. (Beispielbild: Michal Renčo)

Wildschwein mit massivem Trichinenbefall im Raum Joachimsthal (Landkreis Barnim) nachgewiesen

Vor Kurzem wurde bei einem im Raum Joachimsthal erlegten 38 kg schweren Wildschwein bei der Untersuchung des Muskelfleisches ein massiver Trichinenbefall festgestellt. Insgesamt wurden bei der Feindiagnostik im Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin 1455 Larven pro Gramm (!) Muskelfleisch bei dem betroffenen Wildschwein nachgewiesen. Das Wildbret wurde für nicht verzehrfähig beurteilt und musste entsorgt werden.

Trichinenfund im Landkreis Teltow-Fläming

Breits in der letzten Januarwoche wurden Trichinen bei Untersuchungen im Labor des Amtes für Veterinärwesen, Lebensmittelüberwachung und Denkmalschutz Teltow-Fläming nachgewiesen. Der Fund konnte zwei Wildschweinen aus dem Bereich Jühnsdorf zugeordnet werden, die aus derselben Rotte stammten.

Untersuchung ist wichtig

„Das zeigt einmal mehr, dass die Trichinellose in Deutschland nicht ausgemerzt ist. Im Nachbarlandkreis Dahme-Spreewald gab es im vergangenen Monat ebenfalls zwei Funde. Damit wird klar, wie wichtig es ist, jedes Haus- und Wildschwein auf Trichinen zu untersuchen“, so die u. a. für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung zuständige Dezernentin und Beigeordnete Dietlind Biesterfeld.

Trichinen sind winzige Fadenwürmer (Foto: Landkreis Barnim)

Trichinen sind winzige Fadenwürmer (Foto: Landkreis Barnim)

Was sind Trichinen?

Trichinen sind winzige Fadenwürmer, die sich im befallenen Muskelfleisch von Wildschweinen, Dachsen, Bären und anderen fleischfressenden Tieren verkapseln. Nimmt ein Mensch dieses infizierte Fleisch auf, kann er an der Trichinellose erkranken und diese auch an andere Menschen und Tiere übertragen. Vor allem über rohes und nicht durchgegartes Fleisch sowie Wurstwaren wie Knacker oder Salami, ist eine Infektion möglich.

Die Trichinellose ist eine weltweit vorkommende, mild bis tödlich verlaufende Infektionskrankheit. Auch wenn diese Erkrankung in Deutschland immer seltener auftritt, ist die Gefahr, sich zu infizieren, nicht gebannt.

Gerade in den letzten Jahren wurden vermehrt Trichinen bei Wildschweinen jeder Altersklasse und Größe insbesondere im Landkreis Barnim und in der Uckermark nachgewiesen. Wie wichtig eine konsequente und qualitätsgerechte Untersuchung von Trichinenproben ist, zeigt ein Beispiel aus dem Jahr 2013. Dort infizierten sich in Sachsen nachweislich 84 Personen jeder Altersklasse mit Trichinen, nachdem sie Knacker verzehrt hatten, in denen infiziertes Wildschweinfleisch unwissentlich eingearbeitet wurde.

Heimtückische Krankheit

Und es gibt noch ein besonderes Problem: Trichinellose wäre im Anfangsstadium gut behandelbar. Doch genau da lässt sie sich kaum diagnostizieren, weil die Symptome zunächst unspezifisch sind. Mattigkeit, Fieber, Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall können bekanntlich viele andere Gründe haben ... Erst später, wenn eine Bekämpfung der Ursache nicht mehr möglich ist, zeigen sich die typischen Symptome: Muskelschmerzen, Gelenk- und Kopfschmerzen, Beschwerden beim Schlucken, Sprechen und Atmen. Auch der Herzmuskel kann betroffen sein.

Größte Gefahr geht von Wildschweinen aus

Um die Ansteckungsgefahr zu verringern, besteht eine gesetzliche Untersuchungspflicht für alle Tiere, die Träger von Trichinen sein können. In Frage kommen dabei in erster Linie Schweine. Durch moderne Schweinhaltungssysteme spielen Trichinen bei Hausschweinen kaum noch eine Rolle. In der Freilandhaltung kommen sie zwar selten, aber regelmäßig vor.

Die größte Gefahr geht von Wildschweinen aus, weil sie sich unkontrolliert über den Verzehr von infiziertem Fleisch anstecken können. Deshalb ist die amtliche Trichinenuntersuchung vor allem bei Wildschweinen, Hausschweinen mit Kontakt zur Außenwelt und Hausschlachtungen unverzichtbar.

 

Quellen: Landkreis Barnim/Amt für Veterinärwesen, Lebensmittelüberwachung und Denkmalschutz Landkreis Teltow-Fläming

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