Tote Wölfin: Über Fakten und Hetze

Wölfin mit Welpe im Fang

Symbolbild: Dieter Hopf

Am vergangenen Sonntagabend wurde auf dem Truppenübungsplatz im niedersächsischen Munster eine Wölfin tot aufgefunden. Vermutlich starb sie an einer noch ungeklärten Bissverletzung, teilte das Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesbetriebs für Naturschutz (NLWKN) am Dienstag mit. Wie das Leibniz-Institut für Zoo und Wildtierforschung (IZW) bekannt gab, habe die Fähe offenbar erst vor Kurzem Welpen geboren. Der Tod von FT10, so die wissenschaftliche Bezeichnung für die mit einem Sendehalsband ausgestattete Wölfin, hat indes eine besondere Note: Wie wolfsmonitor.de berichtete, hatte das tote Tier nämlich einen Bruder, der in den vergangenen Wochen die Schlagzeilen bestimmt hatte und selber erst knapp vier Wochen zuvor gestorben war: MT6 alias „Kurti“ (wir berichteten).

Auf Anordnung der niedersächsischen Umweltministers Stefan Wenzel war der Wolfsrüde am 27. April im Heidekreis in Niedersachsen getötet worden. Das wilde Tier, das in den sozialen Netzwerken seinen Spitznamen verpasst bekam, sollte ursprünglich eingefangen und in ein Gehege gebracht werden, da es sich immer wieder Menschen näherte und Nutztiere riss. Schließlich sollte „Kurti“ betäubt und eingeschläfert werden. Letzten Endes entschied man sich für die einfachste Lösung; der Wolf wurde mit Amtshilfe von einem Polizisten erschossen. Es ist das erste Mal seit der Rückkehr der Tiere, dass ein Wolf in Deutschland auf Anordnung der Behörden gezielt getötet wurde.

Der Tod von „Kurti“ sorgte für große Diskussionen zwischen Verteidigern der Abschuss-Entscheidung und verständnislosen Wolfsfreunden, ausgetragen wurden diese zumeist nicht gerade sachlichen Auseinandersetzungen vor allem bei Facebook und Twitter (wir berichteten). Dies führte soweit, dass eine Familie, die eine angebliche Beißattacke des Wolfs auf ihren Haushund öffentlich machte, Opfer eines Shitstorms wurde. So veröffentlichte der selbsternannte „Wolfsschützer“ Christian Berge in einem öffentlichen Facebook-Post die Adresse sowie die Telefonnummer der Familie, die daraufhin unter Druck gesetzt und bedroht wurde. Außerdem ließ er unmissverständliche Worte folgen. Ein eventueller Prozess um die Frage, ob der Hund angeleint war oder nicht, wäre kein „Zuckerschlecken“ für die Familie. „Und wenn Sie vor Gericht die Unwahrheit sagen, dann würden Sie, egal ob vereidigt oder nicht, eine Freiheitsstrafe bekommen. Für einen nicht angeleinten Hund gibt es eine Geldbusse, wenn überhaupt. Bitte unterschätzen Sie nicht, was für ein Druck während einer Gerichtsverhandlung herrscht.“

Der Abschuss von Kurti kennzeichnete den vorläufigen Höhepunkt der seit Monaten schwelenden Wolfsdebatte in Deutschland. Darf das wilde Tier sich wieder auf unserem heimischen Boden breit machen oder stellt der Wolf eine zu große Gefahr für Mensch und dessen Besitz dar? Oder handelt es sich lediglich um Panikmache der Wolfsgegner, die eine Rückkehr des Raubtiers in deutsche Gefilde zwecks Wahrung ihrer Interessen unbedingt verhindern möchten? Zu der nicht nur in Deutschland ausgiebig und leidenschaftlich diskutierten Wolfs-Frage wurde jüngst eine Studie veröffentlicht. Genauer gesagt zu den legalen Abschüssen der Wölfe, die europarechtlich einem strengen Artenschutz unterliegen. 

Die Studie aus den Proceedings oft the Royal Society B., die Adrian Treves von der University of Wisconsin und Guillaume Chapron von der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften durchführten, untersucht, ob Jagdquoten für die wilden Tiere tatsächlich die illegale Jagd reduzieren. Im Zuge ihrer Studie hatten die Autoren die Wolfspopulationen in den beiden US-Bundesstaaten Wisconsin und Michigan untersucht – und waren zu einem interessanten Fazit gekommen: Wenn eine Behörde einen Teil der Wölfe vom Schutz ausnimmt, indem sie beispielsweise eine Quote ausschreibt oder selbst einen Teil der Tierpopulation bejagt, werden mehr Wölfe gewildert als zuvor. Wie repräsentativ die Studie ist, kann indes nicht zweifelsfrei belegt werden.

Unseren Kommentar „Krokodilstränen um ‚Kurti‘“ finden Sie hier.

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