Tierschützer versuchten geplanten Nilgans-Abschuss zu verhindern

Freitag wurde als Termin für die Jagd auf Nilgänse im Frankfurter Brentanobad festgesetzt. Tierschützer haben versucht, dieses per Eilverfahren zu verhindern. Auch die Polizei schalteten sie dazu ein.

Nilgänse am Wasser

Symbolbild: MrsBrown

Da die Liegewiesen voll mit Kot sind und dieser zudem positiv auf Salmonellen getestet wurde, gab die Stadt Frankfurt die Jagd auf Nilgänse im Brentanobad frei. Damit sollte die Gesundheit spielender Kinder im Freizeitbad geschützt werden (wir berichteten). Am Freitag wurden schließlich einzelne Gänse entnommen, um die restlichen Tiere damit zu vergrämen. Die Zeitung Merkurist berichtet, dass es dazu nicht gekommen sei, die „Baumschutzinitiative Wiesbaden“ habe die Jagd mit einem Eilverfahren beim Verwaltungsgericht verhindert. Ebenfalls schaltete diese die Polizei ein. Der zuständige Jäger, Axel Seidemann, widerspricht dieser Darstellung.

Gegenüber der Zeitung sagte die Rechtsanwältin der Baumschutzinitiative, Dr. Nicole Koch, dass der Bescheid der Abschussgenehmigung rechtswidrig sei, da sie auf einen veralteten Antrag Bezug nehme. Die Genehmigung liege bereits seit August 2015 vor, entgegnet Axel Seidemann. Nur aus politischer Rücksichtnahme vor den Grünen wurde da nicht gehandelt. „Deswegen wird es sich bei dem Dokument nur um einen Tippfehler handeln, weil möglicherweise die alte Vorlage für die Genehmigung verwendet wurde“, mutmaßt er. Kontaktiert wurde er vom Verwaltungsgericht aber nicht. „Weder hat mir das Verwaltungsgericht etwas zugestellt, noch wurde die Jagd eingestellt“, sagte Seidemann gegenüber Outfox-World. Auch bei der Schutzpolizei habe sich der Jäger auf Anraten von Dr. Nicole Koch gemeldet. „Sie sagte mir am Telefon, die Polizei suche mich“, schmunzelte Seidemann. „Die Erlaubnis zur Entnahme ist aber vom Jagdrecht und nicht vom Polizeirecht abhängig. Die Polizei informiere ich nur, um ihnen einen geplanten Abschuss mitzuteilen, damit nicht plötzlich eine Terrorwarnung ausgeht“, erklärte der Jäger.

Außerdem kritisiert die Baumschutzinitiative die Argumentation der Stadt und zweifelt das Ergebnis der Kotprobe an: „Mit dieser Behauptung warben die Verantwortlichen in der Bevölkerung ganz offenkundig um Akzeptanz für ihr Vorhaben, Nilgänse im Brentanobad durch einen Jäger töten zu lassen“, heißt es im Bericht. Die Baumschutzinitiative wirft der Stadt vor, dass die Kotprobe nicht durch das Gesundheitsamt, sondern durch ein Privatunternehmen durchgeführt wurde. E-coli-Bakterien wären in den Därmen fast aller Lebewesen zu finden. „Ohne eine Spezifizierung der Art und Menge der in der Kotprobe befindlichen Coli-Bakterien besitzt ein derartiges Untersuchungsergebnis überhaupt keine hinreichende Aussagekraft“, lautet die Argumentation der Tierschützer. Auch dem weiß Seidemann etwas entgegenzusetzen: „Es geht hier nicht um die Salmonellen, sondern grundsätzlich um den Kot auf der Wiese einer Badelandschaft, da ist es irrelevant, wer die Kotprobe untersucht hat“, machte Seidemann deutlich.

Eimerhohe blaue Müllsäcke werden verwendet, die regelmäßig geleert werden, Schilder weisen Besucher darauf hin, die Gänse nicht zu füttern – „die Tiere kommen aber nicht wegen der Pommes, sondern wegen der Liegewiese“, sagte Seidemann. Etliche Versuche, die Tiere zu vergrämen, scheiterten. Zuerst wurden schwarze Trauerschwäne aus Plastik eingesetzt. An den ersten Tagen funktionierte die Methode, das änderte sich aber schnell. „Anstatt sich vor den Plastikgänsen zu fürchten, attackierten die Nilgänse diese“, erzählte der Jäger gegenüber Outfox-World. „Dann wurde das Gras wachsen gelassen. Da es aber auch zu blühen anfing, kamen die ersten Kinder mit Bienenstichen an. Durch das lange Gras war es auch keine Liegewiese mehr“, sagte er weiter. Auch sein Hund kam als Vergrämungsmaßnahme zum Einsatz. „Die Graugänse und Kanadagänse konnten damit verscheucht werden, die Nilgänse drehten ihre Flugrunden und kamen wieder. Die sind hartnäckiger.“

„Es kann nicht sein, dass es Aufgabe eines kommunalen Schwimmbades ist, die Nilgans-Plage in Europa zu lösen“

Axel Seidemann

Erst nachdem die zahlreichen Maßnahmen gegen die Gänse scheiterten, forderten die Bädebetriebe die Jagd auf die Tiere als „letztes Mittel“ (wir berichteten). Damit habe der Jäger wie geplant einzelne Tiere entnommen und auch Erfolg bei der Vergrämung verzeichnen können. „Nach dem zweiten Schuss war die Wiese beinahe gänseleer. Zwei von 60 sind geblieben. Auch am nächsten Tag ist die Hälfte weggeflogen, nur weil ich Präsenz gezeigt habe“, sagte Seidemann. „Es kann aber nicht sein, dass es Aufgabe eines kommunalen Schwimmbades ist, die Nilgans-Plage in Europa zu lösen“, sagte der Jäger.

Nicht nur in Frankfurt, auch in anderen deutschen Städten haben sich Nilgänse stark ausgebreitet und lassen ihren Kot weiträumig auf den Wiesen zurück (wir berichteten hier und hier). Dabei müssten die Tiere als invasive Art laut EU-Verordnung entnommen werden. Ihre Verbreitung könne Lebensräumen, Arten oder Ökosystemen und daher der biologischen Vielfalt schaden. Das hessische Umweltministerium hat dazu aktuell ein Internetportal entwickelt, um Maßnahmenpläne für invasive Arten zu erarbeiten. Bürger und Bürgerinnen aus allen Bundesländern können dort Stellung beziehen. Diese Informationen werden ausgewertet und könnten dann je nach fachlicher Qualität in die Managementmaßnahmen miteinfließen.

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