Störche bedrohen das Niederwild

Störche auf einem Feld

Den Störchen in Deutschland geht es in manchen Regionen weniger gut, in anderen hingegen prächtig, zum Beispiel in Teilen Bayerns (wir berichteten). Doch nicht überall ist man davon begeistert – in Südhessen stößt die wachsende Storchpopulation durchaus auf Kritik. Der Grund: Die vielen Störche bedrohen einem Bericht der Frankfurter Rundschau zufolge die Existenz anderer Tierarten im Hessischen Ried.

So befürchtet der Kreisjägerverein Groß-Gerau unangenehme Folgen für das südhessische Niederwild. Die Überpopulation würde zur Gefahr für Rebhühner, Fasane und andere Tiere. Auf dem Speiseplan der Vögel stehen auch Kaninchen, Kröten und Eidechsen. Sogar Fälle von angegriffenen Rehkitzen seien bekannt. Kurzum: Das gesamte Niederwild ist durch die vielen Störche bedroht. Mehrere Hundert der großen Schreitvögel brüten jedes Jahr in Südhessen, wo eine der größten Storchpopulationen in Deutschland zuhause ist.

Wegen der Gefahr für das Niederwild müsse „alles getan werden“, um die Population nicht weiter anwachsen zu lassen, heißt es dem Bericht zufolge vonseiten des Kreisjägervereins. Die künstlichen Nisthilfen und die Fütterung haben in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass sich die Störche im Hessischen Ried besonders wohlfühlen. Im Vogelpark Biebesheim etwa werden sie so gefüttert, dass sie im Winter gar nicht mehr nach Süden ziehen, sondern dort bleiben.

Der Zug der Vögel bewirkt eigentlich eine natürliche Auslese unter den Störchen, die wegen des guten Futterangebots nicht mehr stattfindet. Die meisten Tiere überleben daher den Winter und werden zum Problem, vor allem für seltene Tierarten. Das sieht Groß-Geraus Bürgermeister Stefan Sauer ähnlich kritisch: Die Kommune investiert Geld in Renaturierungsmaßnahmen für die Lebensräume seltener Tierarten wie etwa Eidechsen, die dann aber von den Störchen weggefressen werden.

Eine Bejagung der Störche steht nicht zur Diskussion, das wollten die Jäger aber auch gar nicht, wie eine Pressesprecherin laut Frankfurter Rundschau betont. Man müsse aber wieder ein gesundes Gleichgewicht herstellen. Dies könnte gelingen, indem keine künstlichen Nisthilfen mehr aufgestellt und die Vögel nicht mehr so stark angefüttert werden. Fischern und Landwirten bereitet die Storchpopulation indes weniger Probleme. Eine Gefahr für die heimischen Fische sind vielmehr die Kormorane (wir berichteten). Auch die Landwirte haben sich an die mittlerweile sogar recht zutraulichen Störche gewöhnt, die auf ihren Feldern nach Nahrung suchen.

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