Steinböcke im Klassenkampf

In der Schweiz gibt es laute Proteste gegen das lukrative Geschäft mit ausländischen Jagdgästen.

Zwei kämpfende Steinböcke im Gebirge.

Zwei kämpfende Steinböcke im Gebirge. (Foto: Mario Hofer)

Der Neidhammel treibt einen Teil der Schweizer um: 50.000 Leute haben einen Online-Aufruf gegen die Steinbockjagd für zahlungskräftige Ausländer unterschrieben. Aber der Kanton Wallis will nicht auf Einnahmen von rund 650.000 Franken jährlich verzichten. 

Weitestgehend unbestritten: Die einst massiv bedrohte Steinwildpopulation hat sich in der Schweiz durch starken Hege-Aufwand gut erholt – auf rund 16.000 Tiere, 5.300 davon allein im Kanton Wallis. Einer behutsamen Bewirtschaftung steht nach Auffassung der Behörden nichts entgegen. Das Wallis vergibt aktuell 450 Abschüsse pro Saison, davon 120 an ausländische Jagdgäste. Und das rechnet sich: Unterkunft und obligatorische Begleitung durch einen Wildhüter inklusive, kommen für einen kapitalen Bock schon mal 20.000 Franken zusammen. 

Kantonsbürger zahlen weit weniger, müssen aber vorher 18 Jahre lang Patente für die Gamsjagd gelöst haben. Und – vor allem – Glück bei der Verlosung der raren Steinböcke haben. Obendrauf gilt: Wer seinen Bock geschossen hat, darf lebenslang nicht mehr an der Verlosung teilnehmen. Da wirkt es erstaunlich, dass die überschäumende Aufregung über die Gastjagd hauptsächlich von Nichtjägern kommt. Daniel Kalbermatter, Präsident des Walliser Jagdverbands, wendet hingegen ein: „Ich frage mich einfach, wie man die Ertragsausfälle deckt, die durch allenfalls wegfallende Steinbock-Abschüsse entstehen.“ 

Die Walliser Jagdbehörde erinnert daran, dass das Geld der Auslandsjäger einen guten Teil der Kosten für das (offenbar erfolgreiche) Schalenwildmanagement der Kantonsverwaltung einspielt. Nicht nur wegen der Tagessätze für die Wildhüter, die jeden Schritt der Jagdgäste begleiten: Ab einem Meter Hornlänge (13.000 Franken) wird‘s richtig teuer. Da kostet jeder weitere Zentimeter 500 Franken.

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