Sorge über Prädatoren eint Fischer und Jäger

Kormoran

Foto: Karl-Heinz Fritschek

In diesen Tagen treffen sich in Potsdam rund 250 Vertreter aus Politik, Verwaltung und Fischerei, um über die Zukunft der Fischerei in Deutschland zu beraten. Schon vorab gibt es deutliche Kritik vom Verband – vor allem an bürokratischen Hürden für Aquakulturen und am Schutzstatus verschiedener Prädatoren, wie Kormoranen, Reihern und Ottern. Gerade Kormorane sorgten in letzter Zeit immer wieder für Schlagzeilen, weil sie die Fischbestände arg dezimieren (wir berichteten). Deshalb gibt es in einigen Bundesländern bereits Ausnahmeregelungen, um die Tiere zu bejagen (wir berichteten hier und hier).

In eine ganz ähnliche Richtung geht auch die Kritik von Lars Dettmann. Der Geschäftsführer des Brandenburger Landesfischereiverbands sagte der Märkischen Allgemeinen: „Der Vogelschutz ist erfolgreich, aber der Preis für unsere Branche ist hoch. Vögel fressen drei Viertel der Teichbestände leer. Das ist existenzbedrohend.“ Deshalb wünscht er sich ein Eingreifen auf Bundes- und EU-Ebene. An entsprechenden Forderungen soll im Rahmen des Fischereitags in Brandenburg gearbeitet werden.

Ein weiteres Problem sind für Dettmann zu niedrige Wasserstände. Diese hätten vor allem mit Umweltauflagen zu tun. Teichwirte dürften Schilf nicht im Frühjahr schneiden. Dadurch würden Teiche zuwuchern und über die Schilfblätter verdunste viel Wasser. Der niedrige Pegel mache die Fischzucht besonders schwer. Der Deutsche Fischereiverband kündigte daher schon vorab an, dass das Thema Aquakultur einen besonderen Stellenwert beim Treffen in Potsdam haben werde: „Die Aquakultur kann in Deutschland und in Europa nicht am weltweiten Wachstum der Branche teilhaben. Ungleiche Bedingungen bei der Erzeugung und am Markt verhindern hierzulande die Entwicklung der Betriebe. Der erschwerte Zugang zu den Ressourcen Fläche und Wasser sowie die wachsende Verbreitung von fischfressenden Prädatoren wie Kormoran, Reiher und Otter schließen Steigerungen der Produktion derzeit aus. Aquakultur-Einrichtungen sind perspektivisch unverzichtbare Bestandteile der Ökosysteme und erfüllen wichtige Aufgaben bei der Erhaltung der Biodiversität in der Kulturlandschaft.“

Bleibt festzuhalten, dass der Deutsche Fischereiverband mit seinen rund 600.000 Mitgliedern enorme Schnittmengen mit der deutschen Jägerschaft hat. In Potsdam kann in diesen Tagen ein wichtiges Zeichen in Richtung Politik gesetzt werden, dass Tier- und Artenschutz mit einer wirtschaftlichen Naturnutzung einhergehen müssen und diese nicht mit praxisfernen Regelungen unmöglich gemacht wird. Das Beispiel des geschützten Kormorans macht es immer wieder deutlich.

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