Schlauer als der Jäger? Rotwild ist lernfähig

Kanadische Wissenschaftler fanden heraus, dass Rottier im Alter lernt, Jägern geschickt aus dem Weg zu gehen.

Rotwild-Brunft

Symbolbild: Dieter Hopf

Rottiere lernen im Alter unterschiedliche Methoden, wie sie Jägern gezielt aus dem Weg gehen können. Das schreiben Wissenschaftler von der kanadischen University of Alberta im Fachmagazin „Plos One“, wie die Zeit berichtet. Die Tiere bewegten sich weniger, um eine Begegnung mit einem Jäger zu vermeiden. Auch lernten sie, auf die unterschiedliche Bewaffnung zu reagieren.

49 Rottiere im Alter von ein bis 18 Jahren wurden für die Untersuchung mit Sendehalsbändern ausgestattet. Zwei bis fünf Jahre lang beobachteten die Wissenschaftler die Tiere dann in den kanadischen Provinzen Alberta und British Columbia. Sie stellten fest: Insbesondere in der Nähe von Straßen verbergen sich die Tiere im Wald oder in unübersichtlichem Gelände. Während der Jagdsaison mit Bogenschützen versteckten sie sich zudem verstärkt in zerklüftetem Gelände und auf Anhöhen. Sie reagierten dabei auf die Bewaffnung der Bogenschützen, die sich sehr nah an die Tiere heranpirschen müssten, schrieben der Biologen Henrik Thurfjell und seine Kollegen. Die Rottiere würden von den tödlichen Fehlern ihrer Artgenossen lernen, insbesondere von denen der männlichen, die vermehrt entnommen werden.

„Das Wild kann die Gefahren – sei es Mensch oder Wolf – gut einschätzen“, wird Torsten Reinwald, Sprecher des Deutschen Jagdverbandes (DJV), zitiert. „Viele Tierarten wie auch das Rotwild bleiben erstaunlich ruhig, wenn etwa Menschen auf Wegen im Wald unterwegs sind, reagieren aber sofort, wenn sich abseits der Wege Ungewohntes tut“, ergänzte er. Wildschweine etwa würden unmittelbar vor Jagdbeginn beim Klappern der ersten Autotüren ihre Rotten aus der Gefahrenzone an die Reviergrenze bringen, beruft sich der Sprecher auf eine Untersuchung von mit Sendehalsbändern ausgestatteten Bachen. Nach Ende der Jagd kämen die Wildschweine dann zurück.

Nicht alle Tiere würden sich aber auch schnell genug anpassen. Rotwild könnte bis zu 20 Jahre alt werden, womit genügend Zeit herrsche, Dinge dazuzulernen. Mufflons könnten beispielsweise aber noch nicht mit dem Wolf umgehen. Gewöhnt an eine bergige Landschaft, flüchteten sie nur über kurze Strecken und glaubten, sich damit in Sicherheit gebracht zu haben – „ein meist fataler Fehler“, so Reinwald dem Bericht zufolge.

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