Saftige Geldstrafen nach Luchs-Abschuss

Luchs

Foto: Andreas Stolz

In Österreich hat das Landesgericht Steyr einen 65-jährigen Jäger wegen eines illegalen Luchs-Abschusses zu einer Geldstrafe in Höhe von 11.160 Euro verurteilt. Weiterhin wurde der Angeklagte zu einer Schadensersatzzahlung von 12.101 Euro verdonnert. Das berichtet nachrichten.at. Der Waidmann hatte den Luchs nach Ansicht des Gerichts im Nationalpark Kalkalpen erlegt. In dem Prozess wurden auch ein Tierpräparator sowie ein Fleischer wegen Falschaussage zu Geldstrafen verurteilt.

Der Nationalpark Kalkalpen vermisst seit Längerem seine männlichen Luchse. Den Verdacht, dass dort gewildert und illegal Jagd auf Luchse gemacht wird, gab es bereits seit einiger Zeit. Erst nachdem das Landeskriminalamt in der Tiefkühltruhe eines Präparators ein Tier gefunden hatte, kamen die Ermittler dem 65-Jährigen auf die Spur. In einem ersten Prozess wurde bereits die Frau des angeklagten Waidmanns verurteilt; sie gestand damals überraschend, für die Tötung eines Luchses verantwortlich zu sein (wir berichteten). Sie gab an, einen Luchs mit einem Fuchs verwechselt zu haben.

Da die Staatsanwaltschaft davon ausgeht, dass noch mehr Tiere illegalen Abschüssen zum Opfer gefallen sind, wurde der Jäger angeklagt. Bisher gebe es zwar dem Bericht zufolge keine weiteren Kadaver. Das in der Kühltruhe aufbewahrte Tier war aber in einem Sack mit der Aufschrift „13. Mai 2012“ gelagert worden. Der Luchs, welcher der Ehefrau des Angeklagten zum Opfer fiel, wurde allerdings erst später geboren. Der Fund erhärtete den Verdacht der Staatsanwaltschaft. Im Prozess stützte sich die Anklage vor allem auf Zeugenaussagen einer Ex-Geliebten des Angeklagten. Diese sagte aus, er habe ihr detailliert von dem Abschuss erzählt und ihr auch entsprechende Handyfotos gezeigt. Der Angeklagte hingegen behauptete, er habe nur theoretisch über einen Abschuss geredet.

Der aktuelle Prozess war, wie der Prozess gegen die Ehefrau des Angeklagten, geprägt von zahlreichen Erinnerungslücken der Zeugen. So hatte der Tierpräparator zunächst ausgesagt, dass ihm der Angeklagte den Luchs gebracht habe, änderte seine Aussage dann dahingehend, dass es seine Ehefrau gewesen sein soll. Das Datum auf dem Beutel, der den Tierkadaver enthielt, erklärte er mit einem Irrtum. Auch bei der Aussage des Fleischers gab es zahlreiche Widersprüche. So soll dieser einem Tierarzt erzählt haben, dass er zwei Luchse in einer Tiefkühltruhe gesehen habe. Im Prozess gab er dann zu Protokoll, er hätte von Luchsen in freier Wildbahn, nicht in einer Kühltruhe geredet. Der Tierarzt gab an, sich nicht mehr erinnern zu können und etwas durcheinander gebracht zu haben.

Für die Staatsanwaltschaft stand fest, dass es sich um ein regelrechtes „Netzwerk“ handeln müsse. Der Richter Wolf-Dieter Graf erklärte dem Bericht zufolge, dass man bei Gericht „einiges gewohnt“ sei, aber wie „in diesem Verfahren gelogen und nicht die Wahrheit gesagt wurde“, sei bemerkenswert. Er verurteilte damit nicht nur den Hauptangeklagten wegen des Luchs-Abschusses, sondern auch den Fleischer zu 2.160 Euro und den Präparator zu 4.320 Euro wegen Falschaussage. Die Angeklagten kündigten Berufung an.

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