Sachsen, das Wolfsparadies

In Sachsen bewegt sich was mit dem Wolf. Reihenweise berichten Publikumsmedien über die Rechnung des Diplom-Mathematikers und Jägers Christoph Egert: Der Freistaat hat demnach jetzt schon weit mehr Wölfe als EU-Länder, die das Raubtier bejagen lassen.

Wolfsrudel

Foto: Huskyherz

Das liebste Beispiel des sachkundigen Praktikers ist Estland. Dort gibt es nach offizieller Zählung 17 Rudel – also weniger als in Sachsen. Nach Fläche und Bevölkerungszahl umgerechnet, dürften es in Sachsen aber nur sieben Rudel sein, um auf eine mit Estland vergleichbare Wolfsdichte zu kommen.

Spannend an dieser Rechnung: Obwohl Sachsen in der Relation mehr Wölfe beherbergt als der baltische Staat, wird die Wolfsjagd in Estland von der EU-Kommission geduldet, in Sachsen aber nicht. Hintergrund: Die baltischen Staaten haben beim EU-Beitritt ausgehandelt, dass sie weiter selbst über die Bejagung der großen Beutegreifer entscheiden.

Noch interessanter wird es bei der europäischen FFH-Richtlinie zum Artenschutz: Für's Baltikum wird der Wolf im Anhang V als nicht akut gefährdet aufgelistet, was eine reguläre Bejagung zulässt. Für Deutschland (wie für Finnland und Schweden) gilt hingen der strenge Schutz des Anhangs IV – trotz regional höherer Wolfsdichte als im Baltikum.

Womöglich erklären solche Rechenbeispiele auch, warum die EU-Kommission so lange braucht, beim Euro-Gerichtshof ihre Klage gegen die Lizenzjagd auf Wölfe in Schweden und Finnland zu begründen. Eben erst hat der Generalanwalt um einen weiteren Monat Aufschub in dieser Sache nachgesucht (wir berichteten).

International wird die Spezies Wolf als nicht gefährdet gelistet. Die Schweiz fordert, seinen Status in der Berner Artenschutzkonvention von „streng geschützt“ nach „geschützt“ herabzustufen. Auch dort ist die Wolfsdichte weit geringer als in Sachsen.

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