Rekord: In 43 Prozent aller Reviere gibt es Waschbären

Deutscher Jagdverband präsentiert neue Zahlen zur Ausbreitung gebietsfremder Arten in Deutschland.

Waschbär

Foto: Dieter Hopf

Der Waschbär bricht bei seiner Ausbreitung in Deutschland alle Rekorde. Wie der Deutsche Jagdverband (DJV) mitteilt, kommt der nordamerikanische Kleinbär bundesweit inzwischen in 43 Prozent aller Reviere vor. Das sind 19 Prozentpunkte mehr als noch im Jahr 2006, als Jäger mit der systematischen Überwachung der Ausbreitung von Waschbär, Marderhund und Mink begannen.

Wissenschaftler haben jetzt Datenreihen aus mehr als 24.000 Revieren für das Wildtier-Informationssystem der Länder (WILD) ausgewertet. Die Ergebnisse lassen klar erkennen, wo Deutschlands „Waschbär-Hochburgen“ liegen: Besonders weit verbreitet ist der pelzige Räuber in Sachsen-Anhalt (91 Prozent der Reviere), Brandenburg (88 Prozent) und Hessen (78 Prozent). Der größte Zuwachs ist in Sachsen-Anhalt zu verzeichnen (plus 47 Prozentpunkte). Selbst in Baden-Württemberg (plus 14 Prozentpunkte) und Nordrhein-Westfalen (plus 18 Prozentpunkte) ist der Waschbär auf dem Vormarsch. Die Ausbreitung macht sich dem DJV zufolge auch in der Jagdstatistik bemerkbar. Bundesweit erlegten Jäger in der Saison 1995/96 nur rund 3300 Tiere. In der Jagdsaison 2015/16 waren es beträchtliche 128.100.

Den aus China stammenden Marderhund haben Jäger 2015 deutschlandweit in über einem Viertel aller teilnehmenden Reviere bestätigt – eine Steigerung um sechs Prozentpunkte gegenüber 2006. Die Ausbreitung des Minks, der an den Lebensraum Wasser gebunden ist, ist in Deutschland flächenmäßig begrenzt: Jäger haben ihn 2015 in sieben Prozent der Jagdbezirke nachgewiesen, das entspricht einer Steigerung von zwei Prozentpunkten gegenüber 2006.

Der Deutsche Jagdverband wies angesichts der neuen Zahlen darauf hin, dass jede Einschränkung einer Bejagung der gebietsfremden Arten kontraproduktiv für den Artenschutz sei. Dies gelte insbesondere für den Waschbären, den die Europäische Union in die Liste der invasiven Arten aufgenommen hat (wir berichteten). „Wenn wir die heimische Artenvielfalt erhalten wollen, gibt es nur zwei Stellschrauben: Lebensräume erhalten und verbessern sowie Fressfeinde reduzieren“, sagte DJV-Präsidiumsmitglied Jürgen Ellenberger. Angesichts der rasanten Ausbreitung der räuberisch lebenden Arten fordere der Verband eine flächendeckende Bejagung. Dies schließe insbesondere Naturschutzgebiete, befriedete Bezirke und städtische Räume ein.

Mit Blick auf den Waschbären formulierte Ellenberger konkrete Forderungen: „Öffentliche Aufträge bedürfen öffentlicher Mittel, wir fordern eine finanzielle Unterstützung der Jäger.“ Dies könnten beispielsweise Zuschüsse für Fallen und elektronische Fallenmelder oder auch Fahrtgeld sein. Die Fangjagd sei zwar eine äußerst effektive Jagdart, aber eben auch sehr kosten- und zeitaufwändig.

Das könnte Sie auch interessieren

Folgen Sie uns!