Neuseeland will Nagern an den Kragen

Um Neuseelands Artenvielfalt zu erhalten, will die Regierung radikal durchgreifen und bis 2050 alle eingeschleppten Nagetiere töten lassen.

Opossum geht es an den Kragen

Foto: Mario Hernandez

Eingeschleppte Nagetiere machen Neuseelands Artenvielfalt zu schaffen. 40 einheimische Vogelarten seien durch invasive Arten bereits ausgestorben. Die größte Bedrohung gehe dabei von Ratten, Hermelinen und Opossums aus. Die Regierung will jetzt dagegen vorgehen. Bis 2050 sollen die Nager systematisch ausgerottet werden, berichtet Galileo.

Ratten wurden als blinde Passagiere auf Schiffen eingeschleppt, Opossums für den Pelzhandel mitgebracht und das Hermelin diente ursprünglich dazu, der Rattenplage Herr zu werden. Letzteres klappte nicht. Anstatt über die Ratten herzufallen, entdeckte das Hermelin die Eier bodenbrütender Vogelarten für sich. Insbesondere flugunfähige Vögel wie der Kiwi und der Kakapo sind besonders schwer bedroht. Diese Vögel haben nie einen Schutzmechanismus aufgebaut, da sie sich über tausende Jahre ungestört, ohne jegliche Fressfeinde, entwickeln konnten. Durch die invasiven Raubtiere stehen sie jetzt auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten. Rund 20 Tiere würden pro Woche sterben. Jährlich seien es bis zu 25 Millionen einheimische Vogelarten, die den Raubtieren zum Opfer fallen.

Bei der Ausrottung invasiver Arten will die Neuseeländische Regierung systematisch vorgehen. Zunächst soll es den Räubern auf den zu Neuseeland gehörenden Inseln an den Kragen gehen, anschließend gilt es, das Inland vor diesen zu schützen. Selbstauslösende Fallen, Giftköder, Drohnen oder die gezielte Jagd werden als Maßnahmen genannt. Der Einsatz von Gift ist da nicht unstrittig. Auch heimische Arten könnten „als Kollateralschaden“ getötet werden, heißt es. Wie erfolgreich das Projekt aber sein wird, bleibt abzuwarten. Denn neben den Nagetieren sind auch wilde Katzen ein Problem für heimische Vogelarten.

Dass eine Maßnahme zur gezielten Ausrottung einer ganzen Population auch scheitern kann, beweist ein Beispiel aus Australien. Um die Überpopulation von Ziegen unter Kontrolle zu bekommen, wurden 2016 Dingos auf die Insel Pelorus im Great Barrier Reef übergesiedelt. Ihnen wurden Giftkapseln implantiert, denn nach „getaner Arbeit“ sollten auch diese innerhalb einer bestimmten Zeit verenden. Dieses Projekt wurde gestoppt, zu groß war die Bedrohung, dass die Dingos heimische Vogelarten gefährden könnten (wir berichteten hier und hier.)

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