Neuer Vorstoß für mehr Wolfsschutz

Raubtier-Freunde fordern die EU zum Handeln gegen die schwedische Lizenzjagd auf 

Verbreitung des Wolfes in Europa (Grafik: ec.europa.eu)

Verbreitung des Wolfes in Europa (Grafik: ec.europa.eu)

Wolfsschützer wollen die EU nach dem Abschuss von 27 Tieren zu Schritten gegen die schwedische Wolfspolitik zwingen. Der Schuss könnte nach hinten losgehen – mit Folgen für ganz Europa.

Wahrheit ist: Mit kurzen Pausen reguliert Schweden seinen Wolfsbestand mit einer regulären Lizenzjagd-Periode. So soll der Bestand bei stabil etwa 300 Wölfen gehalten werden. Im Winter 2020/21 wurden dazu ganze Rudel im nördlichen Mittelschweden entnommen, insgesamt 27 Tiere.

Den für solche Regulierungen wichtigen „Günstigen Erhaltungszustand“ hatte der Stockholmer Reichstag einst unter Beteiligung von Experten aus Wissenschaft und Verbänden auf 220 Tiere festgelegt. In der Praxis gilt mittlerweile eine Untergrenze von 300 Wölfen.

Unumstritten ist auf EU-Ebene die sogenannte Schutzjagd auf verhaltensauffällige Tiere. Ebenso die Festlegung, dass die Rentierweiden der nördlichen Landesteile wolfsfrei gehalten werden – auch zum Schutz von Fauna und Flora der dortigen Kulturlandschaft.

Regelmäßig Streit gibt es um die Lizenzjagd, die den Zuwachs beschränken soll, wenn dabei der „Günstige Erhaltungszustand“ gewahrt bleibt. Bei der Zählung im Winter 2019/20 wurden gesichert 365 Wölfe nachgewiesen. Mit den 2020 geborenen Welpen ein Bestand von über 400 Wölfen.

Diese Woche hat Schwedens größter Naturschutzverein „Naturskyddsföreningen“ zusammen mit der „Raubtiervereinigung“ die zuständigen Behörden bei der EU-Kommission wegen Verletzung des Artenschutzrechts angezeigt. Man sei überzeugt, dass die Lizenzjagd und die Bestandsgrenze von 300 Wölfen einer Überprüfung durch den Europäischen Gerichtshof nicht standhalten werden.

Ähnliche Versuche hatte es bereits in der Vergangenheit mehrfach gegeben. Schweden wurde verwarnt, aber nie abgestraft. In einem ähnlichen Verfahren um die Wolfsabschüsse in Finnland wurde das schwedische Wolfsmanagement mit Ausnahme der Lizenzjagd vielmehr ausdrücklich gelobt, was Bestandsaufnahme und wissenschaftliche Begleitung angeht.

Nachdem die eben abgeschlossene Lizenzjagd im Parlament und in der Öffentlichkeit breit diskutiert wurde, scheint es zudem nicht mehr ausgeschlossen, dass Schweden darauf drängt, den Schutzstatus der Wölfe zu überprüfen. Dazu wird bereits auf ein EU-Papier aus dem Jahr 2008 verwiesen, in dem Wolfsexperten aus den Mitgliedsländern noch eher bescheidene Ziele formulierten und Bestandsregulierung durch die Jagd nicht grundsätzlich ausschließen wollten.

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