Neuer Stoff für die Hybrid-Debatte

Neuer Stoff für die Debatte um Mischlingswölfe. In Dänemark hat die Naturschutzbehörde ein Expertengutachten eingeholt. Ergebnis: Es gibt bis zu einem Viertel Hunde-Gene in den europäischen Wölfen.

Wölfe

Foto: Rudy2006

Konkreter Anlass für die Neuauflage des alten Themas: Der 66-Jährige, der im vergangenen Jahr illegal vom Auto aus einen Wolf erlegte, beruft sich im Strafprozess darauf, das Tier sei ein Mischling gewesen. Helfen wird das dem Mann wohl nicht. Die Behörde sagt, die Einkreuzungen liegen so lange zurück, dass sie keine jagdrechtliche Bedeutung haben.

Einfacher gesagt: Hunde-Gene gehören zur mitteleuropäischen Wolfspopulation, die sich über Jahrtausende entwickelt hat.

Die Rechtslage macht das nicht einfacher: Einerseits gelten Mischlinge bis in die vierte Generation als Wölfe und unterliegen damit strengem Artenschutz. Andererseits schreibt die Berner Artenschutzkonvention verbindlich vor, dass die Unterzeichnerstaaten Mischlinge umgehend entnehmen sollen.

Bekannt ist zudem: Beim Mischlingsproblem gibt es ein Nord-Süd-Gefälle. Während im Norden artübergreifende Paarungen eher selten sind, gelten sie in Südeuropa nicht als ungewöhnlich. Dort sind weit mehr verwilderte Hunde unterwegs. Das wurde zuletzt klar, als in Griechenland eine britische Touristin tot aufgefunden wurde – oder, genauer gesagt, das, was von ihr noch übrig war.

Blutauffrischung für die Halb- und Viertelwölfe brachte auch die Ostblock-Wende. Damals kamen reichlich Schäferhund-Kreuzungen auf den Schwarzmarkt aus Beständen der Grenztruppen, auch der ehemaligen DDR, wo wie in Russland und Tschechien besonders scharfe Wachhunde für den Eisernen Vorhang gezüchtet wurden.

Zu reden ist in diesem Zusammenhang auch über Wolfsfreunde, denen Mischlinge sehr am Herzen liegen: Vor wenigen Wochen erst flog in Finnland eine Züchterin (?) auf, auf deren Anwesen sich dutzendweise Wolfsmischlinge und auch ein paar echte Wölfe fanden, wohl auch zur Auswilderung gedacht.

Das weckte in Skandinavien schlimme Erinnerungen an einen solchen Mischling, der im Jahr 2015 auf der Stockholm vorgelagerten Insel Värmdö zwei Kinder anfiel und schwer verletzte. Das Tier gehörte ausgerechnet dem umweltpolitischen Sprecher der rechtspopulistischen Partei „Schweden Demokraten“.

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