Neuer Bericht über Wisent-Attacke

Foto: Peter Deppe

Die Wisent-Herde im Kreis Siegen-Wittgenstein bleibt weiter in den Schlagzeilen. Nachdem es erst kürzlich zu einem Angriff eines der Tiere auf eine Wanderin gekommen sein soll (wir berichteten), berichtet nun ein Mann gegenüber Outfox-World von einer weiteren Wisent-Attacke sowie unliebsamen Begegnungen mit dem Wildtier im vergangenen Sommer.

Jagdpächter Peter Deppe erzählt, dass eines der Wisente ihn vor gut einem Jahr angegriffen habe, während er auf einer Wildwiese mit einem Trecker arbeitete. „Das Tier hat sich die Situation erst ruhig angeschaut, bevor es plötzlich mit gesenktem Kopf vor mir stand wie ein Stier in einer spanischen Arena“, erzählt Deppe. Danach sei der Wisent auf ihn zugerannt. Sein Glück sei es gewesen, dass das Tier das Kontergewicht des Treckers attackiert habe. „Wäre er von der Seite gekommen, wäre es sicherlich zu größeren Schäden für meine Maschine und auch mich gekommen.“ Erst vor einiger Zeit habe er zudem erlebt, wie die Wisent-Herde quer über die Straße getrabt sei, mehrere Autos hätten daraufhin „abrupt abbremsen“ müssen. Nach diesen Vorfällen vom vergangenen Sommer habe er sofort den zuständigen Förster informiert, betont der Jäger. Doch würden sich die Förster mittlerweile generell aus der Wisent-Problematik heraushalten. Den Grund dafür sieht Deppe bei NRW-Umweltminister Johannes Remmel: „Der hat denen einen Maulkorb verpasst.“

Dass er erst etwa ein Jahr später vom angeblichen Angriff des Wisents berichtet, begründet Deppe mit seiner anfänglichen Sympathie für das Wisent-Projekt. Dieses habe er lange „nicht in Frage stellen“ wollen, immerhin sei er Pate für eines der vor gut einem Jahr geborenen Jungtiere. Doch der angebliche Angriff eines der Wisente auf eine Wanderin vor einigen Tagen habe bei ihm zum Umdenken geführt. „Mittlerweile muss man einfach auf die Gefahren hinweisen“, so Deppe. Dieser betont, dass sich seine Sicht auf das Projekt gewandelt habe. „Inzwischen sehe ich das alles sehr kritisch, da die Wisente immer selbstbewusster werden und so zunehmend in Kontakt mit Menschen kommen.“ Die Art und Weise, wie mit der Wisent-Herde seitens des Trägervereins umgegangen werde, sei mittlerweile „nicht mehr richtig und nicht fair“, man gehe dort „sehr blauäugig“ mit der Problematik um.

„Der hat denen einen Maulkorb verpasst“

Jagdpächter Peter Deppe über NRW-Umweltminister Johannes Remmel

Foto: Peter Deppe

Für den Trägerverein des Wisent-Projekts, die Wisent-Welt Wittgenstein , kommen die Neuigkeiten indes völlig überraschend. „Normalerweise werden wir bei Vorfällen, die die Wisente betreffen, sofort informiert“, sagte „Wisent-Welt“-Pressesprecher Dr. Michael Emmrich gegenüber Outfox-World. „Uns ist nicht bekannt, dass ein solcher Vorfall stattgefunden hat.“ Die Schilderungen Deppes seien bislang „reine Spekulation“, bislang sei niemand wegen des angeblichen Angriffs auf den Verein zugekommen. Man könne sich nur mit Fakten beschäftigen und nicht mit Mutmaßungen, so Emmrich weiter. Deppe betont unterdessen, dass er die Sekunden vor dem Angriff fotografisch dokumentiert habe (siehe Foto).

Die Veröffentlichung von Deppes Schilderungen erfolgte wenige Tage, bevor am Landgericht in Arnsberg ein weiterer Prozess wegen Schälschäden durch Wisente verhandelt wird. Dass der Zeitpunkt bewusst gewählt worden sei und Deppe eine Agenda verfolge, davon möchte Emmrich zunächst einmal nicht ausgehen. „An derlei Spekulationen möchte ich mich nicht beteiligen“, so der Sprecher des Trägervereins. Bis der Vorfall mit der Wanderin geklärt sei, solle man sich gegenüber den Wisenten unterdessen vernünftig verhalten und sich den Tieren „nicht aktiv nähern“. Emmrich: „Man sollte auf den Wegen bleiben und normal weitergehen, wenn man ihnen begegnet.“

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