Mangelware Elch

Aus Mittelschweden häufen sich die Klagen über rapide sinkende Bestände.

Elche

Foto: skeeze

Dass in Schweden die Elchjagd-Saison begonnen hat, interessiert deutsche Publikumsmedien wie alle Jahre wieder. Nur am Rande aber, dass mancherorts die Elche ausgehen.

Die ARD nähert sich dem offenbar magischen Thema über ein Altenheim am Siljan-See. Dort haben sich die Senioren vom Jagdverband eine Elchjagd-Simulation ausgeliehen und gehen nun am Computer auf die Pirsch. Dass das Elchjagd-Fieber Menschen bis ins hohe Alter nicht loslässt, erklärt sich auch aus der Tradition.

Zur Premiere sind in den ländlichen Regionen vom König angefangen ganze Dörfer auf den Beinen – nicht selten Pfarrer, Lehrer und Bürgermeister inklusive. Nichtjäger helfen im Schlachthaus, Kinder bringen Brotzeitkörbe ins Revier. Es geht bis heute hauptsächlich ums Gemeinschaftserlebnis – und ums Fleisch: In guten Zeiten und in guten Revieren ein Kalb oder ein halbes erwachsenes Tier pro Familie. Genug für ein Jahr Sonntagsbraten, als Fleisch auch in Schweden noch nicht alltäglich war. 

Das Wesen solcher Bauernjagden erklärt sich auch aus früher Demokratisierung: Schon zu Beginn des Industriezeitalters gründeten Fabrik-Barone Jagdvereine für ihre Arbeiter. Ohne eigene Kohlevorkommen gehörten weitläufige Wälder zur Grundausstattung der Eisenhütten. Elchfleisch, selbst erlegt, war Teil der Entlohnung. 

Reichlich Elche sind also nicht nur für die Jäger wichtig, sondern auch für ganze Landstriche in der Provinz. Und an diesem Punkt wird das Thema wirklich aktuell: Die Jagdgesellschaft der Gemeinde Trönö in der Provinz Hälsingland hat diesmal die Elchjagd gleich nach der Premiere wieder eingestellt. Es gibt einfach nicht genug Wild, um den enormen Aufwand einer großen Drückjagd zu rechtfertigen. 

32 Elche sollten die 92 Jäger von Trönö heuer schießen. Nicht viel auf 11.000 Hektar, aber offenbar mittlerweile unmöglich. Und Bestätigung für die Warnung des Jägerverbands, dass der Elch in einigen Regionen ein seltenes Tier geworden ist. Ob es am wachsenden Jagddruck liegt, den auch in Schweden große Waldbesitzer energisch einfordern, wird ebenso diskutiert wie die Frage nach dem Einfluss der Wölfe. Letztere haben vielerorts die traditionelle Jagd mit frei suchenden Hunden massiv erschwert. 

Sicher ist: Trönö ist kein Einzelfall. Aus der ganzen Provinz Hälsingland und auch anderen Landesteilen kommen Berichte über schwache Elchbestände und extrem geringen Jagderfolg. Womöglich auch eine Folge des Hitzesommers: Aus Värmland kamen schon vor Monaten Berichte über ungewöhnlich viele Elchkühe ohne Kälber. Der Äsungsmangel im Hochsommer war so groß, dass Jäger Futterstellen anlegten. Auch um Verbiss- und Schälschäden zu reduzieren.

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