LJV hält nichts von sterilisierten Waschbären

In Hessen wird derzeit ein Managementplan für die räuberischen Tiere erarbeitet – und die Landestierschutzbeauftragte präsentiert einen umstrittenen Lösungsansatz.

Waschbär

Foto: Co_Sch

In der „Waschbären-Hochburg“ Hessen wird voraussichtlich noch in diesem Jahr ein Managementkonzept für den Umgang mit den pelzigen Räubern veröffentlicht. Dies bestätigte das Landesumweltministerium der Allgemeinen Zeitung. Einen neuen Vorschlag der Landestierschutzbeauftragten sieht der Landesjagdverband (LJV) allerdings kritisch.

Dem Bericht zufolge wird der Managementplan derzeit im Umweltministerium erarbeitet. Er soll noch in der zweiten Jahreshälfte öffentlich gemacht werden. Nachdem die EU invasiven Arten wie Waschbär & Co. „Hausverbot“ erteilt hatte (wir berichteten), schufen Bundestag und Bundesrat die gesetzlichen Voraussetzungen zur Umsetzung der EU-Verordnung in Deutschland (wir berichteten). Nun sind die einzelnen Bundesländer gefordert, Managementmaßnahmen festzulegen.

In Hessen, wo es einer Statistik zufolge in 78 Prozent aller Reviere Waschbären gibt (wir berichteten), votierten die Regierungsparteien CDU und Grüne erst kürzlich für eine Beibehaltung der Schonzeit (wir berichteten). Lediglich für die Rhön erteilte die grüne Umweltministerin Priska Hinz zum Schutz der dort lebenden Birkhühner eine Ausnahmegenehmigung (wir berichteten).

Waschbären seien zwar vor Jahrzehnten gebietsfremd gewesen, aber inzwischen „hier heimisch geworden“, sagte Hessens Tierschutzbeauftragte Madeleine Martin jetzt gegenüber dem Wiesbadener Kurier. Ein Abschuss der Tiere komme daher für sie nicht infrage. Martin schlägt daher vor, Waschbären einzufangen, um die männlichen Tiere zu sterilisieren. Anschließend seien diese nicht mehr fortpflanzungsfähig, aber noch gewillt, kämpferisch ihr Revier zu verteidigen. Das verhindere dann, dass andere, zeugungsfähige Waschbär-Männchen nachrückten, sagte Martin der Zeitung.

Der hessische Landesjagdverband bezeichnete das Einfangen, Betäuben und Sterilisieren der Tiere laut dem Bericht als „sehr zeit- und kostenaufwendig“. Sterilisierte Waschbären könnten sich zwar nicht mehr vermehren, würden aber weiterhin fressen und so die heimische Artenvielfalt bedrohen. Außerdem untersage die EU die Freilassung der unerwünschten Tierarten, wenn diese erst einmal eingefangen seien. Der LJV wiederholte daher seine Forderung nach einer Aufhebung der Schonzeit.

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