Liebestolle Böcke gefährden den Straßenverkehr

Sie treiben Ricken über Wald und Feld und scheuen sich nicht vor Kämpfen und Verfolgungsjagden mit ihren Rivalen: Die liebestollen Rehböcke sind wieder unterwegs.

Rehwild bei der Paarung

Foto: Dieter Hopf

Autofahrer, aufgepasst: Mit der Brunftzeit werden Rehböcke wieder besonders aktiv. Sie machen sich auf die Suche nach paarungsbereiten Ricken, dabei überqueren sie Straßen und Wege, stets gelockt von den weiblichen Duftstoffen. Übermütig wie die Rehböcke sind, steigt dadurch die Gefahr von Wildunfällen während der Paarungszeit des Rehwilds deutlich an.

Mehr als 200.000 Rehe verenden Jahr für Jahr im Verkehr auf Deutschlands Straßen. Keine andere Schalenwildart ist derart häufig betroffen. Dass Wildunfälle unterschätzt werden, belegt der Landesjagdverband Rheinland-Pfalz mit einer simplen Rechnung: So erreicht ein nur 20 Kilogramm schweres Reh bei einer Kollision mit einem 70 Stundenkilometer schnellen Fahrzeug ein Aufprallgewicht von fast einer Tonne. 

Ist aber ein Zusammenprall unvermeidbar, gilt für den Autofahrer: Lenkrad festhalten, Spur halten und stark bremsen – keinesfalls ausweichen. Durch riskante Ausweichmanöver wird der Gegenverkehr gefährdet, die Gefahr für Fahrer und Mitfahrer steigt zudem enorm. Hat es gekracht, muss die Polizei alarmiert und die Unfallstelle abgesichert werden: Schalten Sie die Warnblinkanlage ein, legen Sie die Warnweste an und stellen Sie ein Warndreieck auf. Das verletzte Tier darf dabei nicht angefasst werden, es kann in Panik geraten. Wurde es getötet, sollte es mit Schutzhandschuhen von der Fahrbahn an den Rand gezogen werden, um Folgeunfälle zu vermeiden.

Selbst wenn das Wild nach dem Aufprall in den Wald zurückläuft, ist es meist schwer verletzt. Gerade deswegen ist das Alarmieren der Polizei wichtig. Ein Jagdpächter macht sich anschließend auf die Suche nach dem Tier und erlöst es, wenn nötig, von seinem Leiden. Im Übrigen übernehmen die Versicherungen den Schaden nur dann, wenn der Wildunfall von der Polizei bestätigt wird.

Ein Zusammenspiel von Hormonen

Gesteuert von einem komplexen Zusammenspiel der Hormone findet die Paarungszeit des Rehwilds von Mitte Juli bis Mitte August statt. Abhängig von Tageslänge, Alter und der Tatsache, ob und wann die Ricke im gleichen Jahr ein Kitz zur Welt gebracht hat, wird sie brunftig. Entsprechend zielstrebig verfolgt der Rehbock ihre Fährte, um sich mit ihr zu paaren. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass Territoriumsgrenzen überschritten werden und es zwischen Rehböcken gleicher Stärke zu ernstzunehmenden Auseinandersetzungen kommt. Hat der verliebte Rehbock dies überstanden oder vermieden und eine paarungswillige Ricke aufgespürt, beginnt er, diese zu treiben. Diese Verfolgung kann durchaus über eine Strecke von mehreren Kilometern andauern, bis es schließlich zum Paarungsakt kommt. Blind vor Liebe laufen die Tiere dabei auch über Straßen und werden so zur Gefahr für Fahrzeugführer.

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