Landrat will problematisches Wolfsrudel entnehmen lassen

Das „Rosenthaler Rudel“ hat mindestens 150 Nutztiere getötet oder verletzt, jetzt soll das sächsische Umweltministerium über seine Zukunft entscheiden.

Wolf frisst Fleisch

Symbolbild

Die gezielte Entnahme von Wölfen ist ein kritisches und heikles Thema. Als in diesem Jahr in Niedersachsen der Wolf „Kurti“ getötet wurde, weil er Menschen immer wieder zu nahe kam, gab es einen Sturm der Entrüstung (wir berichteten). Umweltminister Wenzel wurde angezeigt, Tierrechtler gingen auf die Barrikaden und Wolfskritiker waren froh, dass endlich gehandelt wurde. (Hier einige Hintergründe zum Thema: Hier, hier und hier) Fest steht: Der Wolf ist streng geschützt und darf nicht getötet werden – außer es wird politisch angeordnet.

Genau solch eine politische Legitimation will jetzt auch der Bautzener Landrat und Schafhalter Michael Harig erreichen. Der CDU-Politiker stellte einen Antrag beim sächsischen Umweltministerium, um das „Rosenthaler Rudel“ aus der Natur zu entnehmen. Das Problem: Die Tiere überwinden jede Schutzvorrichtung, die vom Land gefordert wird. Sie überspringen selbst 1,40 Meter hohe Zäune (Mindestanforderung: 90 bis 120 Zentimeter) und selbst Herdenschutzhunde sind deutschlandweit umstritten, obgleich sie meist effektiv sind. Zuletzt riss das „Rosenthaler Rudel“ 32 Tiere in nur drei Tagen (wir berichteten).

Von offizieller Seite heißt es, dass die Schutzbemühungen weiter intensiviert werden sollen. So würde jetzt kostenloses Flatterband zur Verfügung gestellt, damit Zäune optisch noch weiter erhöht werden können, schreibt die Sächsische Zeitung und beruft sich auf das „Kontaktbüro Wolfsregion“. Für den Politiker Michael Harig geht das langsam zu weit: „Für die Halter von Nutztieren sind die geförderten Schutzmaßnahmen teilweise ungeeignet. Mit jedem Nutztierhalter, welcher wegen der Schadensereignisse aufgibt, ist ein Verlust an Traditionen im ländlichen Raum und ein Weniger an ökologischer Landschaftspflege gegeben.“ Hinzu komme, dass ein Schäfer in Sachsen sogar schon das Maximum an Fördergeldern und Ausgleichszahlungen in Höhe von 15.000 Euro erhalten hat, schreibt die Sächsische Zeitung. Die Behörden würden allerdings schon an Kompromissen arbeiten.

Der Anfrage des Landrats wurde mittlerweile eine Absage erteilt. Ministeriumsprecher Frank Meyer sagte, dass es zurzeit keine Handlungsmöglichkeit gebe.

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