Kühe durch Jugendliche aufgescheucht

War "Kulikitaka-Challenge" Auslöser für einen Bahnunfall? Die Kemptener Bundespolizei ermittelt und warnt vor fragwürdigem „TikTok-Trend“.

Die Bundespolizei ermittelt nach Bahnunfall. Hier abgebildet ein Triebwagen. (Foto: Bundespolizei)

Die Bundespolizei ermittelt nach Bahnunfall. Hier abgebildet ein Triebwagen. (Foto: Bundespolizei)

Bereits am Donnerstagabend (06.05.2021) kam es auf der eingleisigen Bahnstrecke Kempten-Neu-Ulm zu einem Bahnunfall, bei dem eine Kuh getötet wurde. Es entstand zudem erheblicher Sachschaden. Zunächst deutete alles auf einen Unglücksfall hin, bis sich eine Zeugin bei der Bundespolizei meldete.

Wie die Bundespolizeidirektion Münchener mitteilt, erfasste der Regionalexpress 75, der in Richtung Kempten fuhr, gegen 20:45 Uhr eine im Gleis stehende Kuh, die dadurch getötet wurde. Im Zug befanden sich vier Personen, die unverletzt blieben. Nach ersten Schätzungen entstand ein Sachschaden in Höhe von mindestens 20.000 bis 30.000 Euro. Der Unfallzug war eingeschränkt fahrbereit und konnte noch in den Bahnhof Kempten gebracht werden. Die Bahnstrecke musste für zwei Stunden gesperrt werden.

Nach Begutachtung der Weide und Einzäunung durch die Bundespolizei erachtet diese ein Verschulden des verantwortlichen Landwirtes für unwahrscheinlich. Der Weidezugang war zusätzlich mit einer dicken Eisenstange gesichert, welche in der Mitte vermutlich von einer Kuh durchgedrückt worden war. Der Landwirt, der den Weidezaun noch am Nachmittag überprüft hatte, gab an, dass bereits am frühen Abend zwei Kühe ausgebrochen seien, von denen er trotz einer aufwendigen Suchaktion nur eine hatte einfangen können.

Am Samstag (08.05.2021) meldete sich eine Zeugin bei der Bundespolizeiinspektion Kempten und gab an, dass ihr am Unfalltag gegen 17:25 Uhr zwei Mädchen aufgefallen waren, die auf dem Weg entlang der besagten Weide liefen. Die Jugendlichen waren im Partnerlook mit grauen Kapuzenpullovern, hellen High-Waist-Hosen sowie weißen Sneakers bekleidet und trugen weiße Kopfhörer. Die vermutlich zwischen 14 und 17 Jahre alten Mädchen hätten getanzt und seien herumgesprungen. Als die Beiden bemerkten, dass sie mit ihrem Verhalten die Tiere erschrecken, hörten sie aber nicht auf, sondern setzten das Tanzen und Herumspringen noch intensiver fort und gingen sogar noch weiter auf die Kühe zu. Wenige Minuten später erhielt die Zeugin einen Anruf, dass Schumpen (Anm. d. Red.: Ortsübliche Bezeichnung für Jungrinder ab ca. der 10 Lebenswoche) über die Straße gelaufen seien und der Zaun auf die Straße rage.

Appell der Bundespolizei die "Kulikitaka-Challenge" zu unterlassen

In diesem Zusammenhang warnt die Bundespolizei davor, Weidetiere, insbesondere in der Nähe gefahrenträchtiger Orte, absichtlich aufzuscheuchen oder gar zu erschrecken, und appelliert auch in Hinblick auf fragwürdige und gefährliche Trends in den sozialen Medien wie der "Kulikitaka-Challenge", bei der vor allem Kühe erschreckt werden, sensibel mit den Tieren umzugehen.

Die Bundespolizei Kempten ermittelt in diesem Fall wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr und bittet um sachdienliche Hinweise, insbesondere zu den beschriebenen Mädchen, an die Telefonnummer 0831 540798-0.

 

Hintergrund:

Anm. d. Red.: Bei der "Kulikitaka-Challenge", die zurzeit ein Trend auf der Videoplattform „TikTok zu sein scheint, tanzen Menschen vor Tieren, zumeist Kühen, zu dem der Challenge den Namen gebenden spanischen Merengue-Song „Kulikitaka“ des Sängers Toño Rosario. Die „Tanzbewegungen“ erinnern dabei entfernt an den rituellen Tanz „Haka“ der Māori, den die neuseeländische Rugby-Auswahl vor ihren Spielen aufführt. Dabei werden die Tiere meist so erschreckt, dass sie panisch die Flucht ergreifen.

 

Wer sich selbst ein Bild davon machen will, kann das hier tun:

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