Keine „Pizza“ mehr ins „Schwarzwild-Wohnzimmer“

Förster und Jäger suchen wegen zunehmender Wildschweinschäden im Oberallgäu gemeinsam nach Lösungen.

Schwarzwild

Foto: Karl-Heinz Fritschek

Angesichts immer gravierender Schäden durch Schwarzwild sind Förster und Jäger im Oberallgäu intensiv auf der Suche nach Problemlösungen. Bei einem „Runden Tisch“ des Forstbetriebs Sonthofen drehte sich die Diskussion jetzt vor allem um ein vollständiges Verbot des Kirrens.

Laut einer Pressemitteilung der Bayerischen Staatsforsten nahmen Wildschweinschäden zuletzt vor allem in dem großen Waldgebiet Kürnach drastisch zu. Wegen ausbleibender Winter in den vergangenen Jahren und des intensiven Maisanbaus ringsum verfüge das Schwarzwild über perfekte Voraussetzungen, um sich in den mehr als 5000 Hektar großen Wäldern auszubreiten. Da die Kürnach ein „optimales Wohnzimmer für das Schwarzwild“ darstelle, sei es kein Wunder, dass sich die Tiere dort inzwischen fest etabliert haben.

Um gemeinsam nach Lösungen zu suchen, tauschten sich Experten des Forstbetriebs Sonthofen nun unter anderem mit Vertretern des Bayerischen Jagdverbands und dem Jagdberater des Landkreises Oberallgäu aus. Vor allem ging es dabei um eine verbesserte Zusammenarbeit. „Revierübergreifend ist hier das Zauberwort!“, sagte Forstbetriebsleiter Jann Oetting. Da das Schwarzwild eine hochintelligente Wildart sei, die zudem auch große Strecken in der Nacht zurücklege, seien einzelne Reviere mit der Bejagung schnell überfordert.

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Berufsjäger Jörg Finze stellte das Jagdkonzept der Bayerischen Staatsforsten vor, die seinen Angaben zufolge in dem besonders betroffenen Bereich mit Abstand die meisten Sauen erlegt haben. Das Konzept sieht nicht nur großräumige Bewegungsjagden, sondern auch ein völliges Kirrverbot für Schwarzwild vor. Finze erklärte, das Ankirren der Sauen befeuere die Problematik der Wildschäden, weil die Sauen in die Waldrandbereiche und Wiesen gelockt würden, wo man sie jedoch nicht haben wolle. Diese Tiere klapperten dann eine Kirrung nach der anderen ab – „und erlegt wird schlussendlich aus vielerlei Gründen keine“, sagte Finze. Abschließend stellte er klar: „‚Pizza-Service‘ für Schwarzwild brauchen und wollen wir nicht!“

Dem stimmten letztlich alle Beteiligten zu: Sie beschlossen eine bessere Vernetzung der Jäger – mit „kurzen Wegen“ über Reviergrenzen hinaus – sowie ein völliges Kirrverbot für das Schwarzwild in dem betroffenen Bereich. 

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