Keine Lust auf Wolfsjagd

Die Jäger im Norden fassen die Einladung des Kieler Umweltministers mit spitzen Fingern an.

Der Pinneberger Problemwolf GW924m konnte trotz großen Aufwandes bis jetzt noch nicht erlegt werden.

Der Pinneberger Problemwolf GW924m konnte trotz großen Aufwandes bis jetzt noch nicht erlegt werden. (Symbolbild: christels)

Seit bald zehn Monaten macht Schleswig-Holsteins Umweltminister Jagd auf den Pinneberger Problemwolf GW924m. Wie es schneller geht, zeigt ein Blick nach Schweden. Dort schickten die Behörden einen Helikopter, um zwei Wölfe im Rentiergebiet zu erlegen. Für alle, die nun den Artenschutz und Europa-Recht bemühen: Die sogenannte Schutzjagd, mit der Schweden (und auch Finnland) die Rentierweiden in den nördlichen Landesteilen wolfsfrei halten, wird auch in Brüssel toleriert. Gestritten wird allenfalls um die Lizenzjagd zur generellen Bestandskontrolle. 

Der akute Abschuss in der Provinz Härjedalen illustriert, wie es bei der amtlichen Schutzjagd zugeht: Nach ersten Versuchen, den Wölfen mit klassischen Jagdmethoden beizukommen, bestellte die Provinzverwaltung einen Helikopter. Wenige Stunden nach dem ersten Start war der Fall erledigt. Möglicher Hintergrund der Entnahme: Die Klagen der Rentierzüchter sind immer lauter geworden. Während in den Ballungszentren ein gerissener Schoßhund ausreiche, um Schutzjagden anzuordnen, sei die Obrigkeit in den ländlichen Regionen mit einer solchen Entscheidung eher zögerlich. 

So oder so: Im Gegensatz zu deutschen Umweltbehörden sind die Skandinavier gut vorbereitet. Es gibt speziell geschulte Schützen und – vor allem – eine recht eindeutige Rechtslage, die Schutzjäger weitgehend vor Repressalien bewahrt. Ganz anders läuft es bei uns in Deutschland: Nach Informationen des Norddeutschen Rundfunks meldeten sich bisher nicht einmal zehn Jäger, um den Behörden bei der Problemwolf-Jagd zu helfen. Die allermeisten Jäger fürchten offenbar, nach einem Abschuss wie kranke Säue durch die (Internet-)Dörfer und vor Gericht getrieben zu werden.  

Die Angst ist durchaus begründet. Umweltminister Jan Philipp Albrecht von den Grünen verspricht zwar Diskretion, sagt aber im gleichen Atemzug, dass es diese in letzter Konsequenz nicht gibt: „Jeder Auftrag, der von der öffentlichen Hand an eine Einzelperson vergeben wird, muss gerichtlich überprüfbar sein.“ Wenn eine Staatsanwaltschaft danach frage, müsse das Ministerium Namen nennen. „Nach Außen halten wir die Anonymität hoch“, beteuert Albrecht.

Zugleich liefert sein Bedingungskatalog für teilnehmende Jäger Stoff für Kabarettisten: „Die Berechtigten haben zu gewährleisten, dass während entsprechender Entnahmebemühungen jederzeit ausreichend Empfang (Smartphone) zur Übermittlung von E-Mail-Nachrichten besteht.“ Kommentar vom Landesjagdverband: „Die Netzabdeckung ist katastrophal. Das müsste der Minister für Digitales, der ja auch für den Wolf zuständig ist, auch wissen.“  

Die primär betroffenen Kreisjägerschaften Steinburg, Pinneberg und Segeberg haben ihren Mitgliedern empfohlen, die Wolfsjagdeinladung des Ministers auszuschlagen.

Womöglich entkommt Minister Albrecht der Wolfsfalle: Angeblich hat das Tier Schleswig-Holstein verlassen und testet demnächst die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern. Wir werden berichten.

Update: Dass der Problemwolf GW924m jetzt in Mecklenburg-Vorpommern ansässig ist, bestätigte das Kieler Umweltministerium am 18. November in einer Pressemitteilung. Hier der Link zu unserem Artikel darüber.

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