Jagd und Natur am 16.07.18: Der News-Überblick

Jäger ertappen mutmaßlichen Wilderer, Sechsjährige durch Schuss verletzt, eine unglaubliche Waschbär-Strecke und Wirbel um eine erfundene Zahl: Der jagdliche News-Überblick am Montag.

Hochsitz

Foto: Antranias

Jäger ertappen mutmaßlichen Wilderer

Im nordrhein-westfälischen Lohmar hat eine Jagdgesellschaft einen mutmaßlichen Wilderer auf frischer Tat ertappt. Wie die Polizeibehörde Rhein-Sieg-Kreis meldet, entdeckten die drei Jäger am vergangenen Donnerstag gegen halb zehn abends einen Gewehrlauf in einem Waldstück, der dort nicht hingehörte: Er ragte aus einem Hochsitz und war in den Wald gerichtet. Einer der Jäger, der selbst Polizeibeamter ist, forderte den 52-Jährigen auf, den Hochsitz zu verlassen und sich auszuweisen – dieser besaß weder Jagdschein noch Waffenbesitzkarte, dafür aber eine umfangreiche Jagdausrüstung.

Da bei einer Wohnungsdurchsuchung außerdem weitere Waffen sowie Munition und Nachtsichtgeräte sichergestellt wurden, erwartet den Mann nun ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der gewerbsmäßigen Wilderei.

Rehkitz

Foto: Simone Wolzenburg

100.000 tote Rehkitze:
Zahl erfunden?

Die Zahl 100.000 beschäftigt die Öffentlichkeit jedes Jahr aufs Neue: So viele Rehe sollen angeblich jedes Jahr den Mähwerken der Landwirte zum Opfer fallen (wir berichteten). Nun aber berichtet die FAZ: Die Zahl ist wohl erfunden und wahrscheinlich viel zu hoch. Dem Artikel zufolge stammt die viel zitierte Angabe ursprünglich von der Deutschen Wildtier Stiftung. Die räumt nun ein, man wisse selbst nicht mehr, wie man einst auf die Hunderttausend kam, der Wert ist vermutlich übertrieben. Die Hälfte sei, wenn überhaupt, realistisch.

Medien, Verbände und Ministerien berufen sich immer wieder auf diese Zahl, wenn es um die Rettung von Wildtieren geht. Weil die Kinderstube von Wildtieren, insbesondere des Rehwilds, zeitlich mit der Mahd kollidiert, kommt es jedes Jahr zu zahlreichen tödlichen Zwischenfällen auf Wiesen und Feldern. Diese sind jedoch durchaus vermeidbar, wie viele lokale Projekte beweisen (zum Beispiel dieses hier).

Und auch in der Politik tat sich aufgrund der erschreckenden Zahlen etwas beim Thema Kitzrettung: Das Landwirtschaftsministerium fördert der FAZ zufolge ein Projekt zur Wildtierrettung mit 2,45 Millionen Euro, auch im Bundestag sei die Zahl schon kursiert. Eine offizielle Quellenangabe, eine Namensnennung der „Experten“ oder einen Beleg für den Ursprung der Zahl habe es aber nie gegeben. Die FAZ spekuliert, dass diese unwahrscheinlich hohe Zahl dazu beigetragen haben könnte, dass das Thema Kitzrettung verstärkt angegangen wird.

Jäger scheitert mit Klage gegen Waffenentzug

Ein Jäger aus Münster (NRW) erhält seine waffenrechtlichen Erlaubnisse nicht zurück: Er klagte laut einem Bericht der Westfälischen Nachrichten vor dem Verwaltungsgericht vergeblich gegen den Entzug seiner Waffen. Der Münsteraner hatte im September 2016 eine Taube, die er als „Schädling“ erachtete, in seinem Garten erschossen. Die Polizei befand den Schuss in dem dicht besiedelten Wohngebiet damals als hoch bedenklich und sprach dem Mann seine Zuverlässigkeit im Umgang mit Schusswaffen ab.

Nach Angaben des Jägers sei der Schuss in Richtung Boden abgegeben und somit vom Erdreich abgefangen worden. Es sei ausgeschlossen gewesen, dass das Projektil das Grundstück habe verlassen können – sein Handeln sei daher keineswegs leichtfertig gewesen. Der Kläger und sein Anwalt argumentierten zudem, dass bei Gänsen auch zur Waffe gegriffen werde, wenn die Tiere beispielsweise in Schwimmbädern oder Parks zur Plage würden. Der Richter blieb aber dabei: Die Waffen bleiben entzogen. Er begründete seine Entscheidung unter anderem mit den bewusst strengen waffenrechtlichen Regelungen.

Waschbär

Foto: Dieter Hopf

Waschbär-Strecke steigt um das Zwanzigfache

Rekordstrecke in Sachsen: Wie die Sächsische Zeitung mitteilt, haben die sächsischen Jäger im Jagdjahr 2017/18 insgesamt 15.443 Waschbären erlegt. Das sind zwanzig Mal mehr als noch vor zehn Jahren. Auch im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl der geschossenen Waschbären noch einmal erhöht, und zwar um ganze 38 Prozent. Die gefräßigen Räuber aus Übersee breiten sich auch in den Städten immer weiter aus und gefährden zunehmend heimische Tierarten (wir berichteten).

Sechsjährige durch Schuss schwer verletzt

Schock in einer Gartenanlage in Großsaara (Thüringen): Dort ist am Wochenende ein sechsjähriges Kind angeschossen und schwer an der Hüfte verletzt worden, berichtet die Ostthüringer Zeitung. Jetzt stehen sieben Jäger im Visier der Polizei. Sie sollen zum Zeitpunkt des Vorfall in einem nahegelegenen Waldgebiet unterwegs gewesen sein, wo eine Jagd stattfand.

Die Polizei schließt dem Bericht zufolge nicht aus, dass ein Jäger das Kind versehentlich getroffen haben könnte. Am Sonntag wurde auf dem Gartengelände ein Projektil gefunden, das nun mit den Jagdgewehren der Waidmänner abgeglichen werden soll. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Verdachts auf fahrlässige Körperverletzung.

Der Pressesprecher des Deutschen Jagdverbandes, Thorsten Reinwald, zeigt sich angesichts des Vorfalls tief betroffen. „Jeder Unfall ist einer zu viel, auch wenn es nur sehr selten dazu kommt“, sagte er gegenüber der Zeitung. Sicherheit habe höchste Priorität bei der Jagd, daher gebe es auch strikte Vorschriften.

Schwarzwild

Foto: Ryszard Adamus

Afrikanische Schweinepest: Vorbereitung auf den Ernstfall

In Nordrhein-Westfalen haben sich die Kreisveterinäre für den Seuchenfall gewappnet. Bei einer landesübergreifenden Fortbildung in Essen lernten die Amtstierärzte laut einer Pressemitteilung alles Wichtige zur Vorbeugung und Eindämmung der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Die rund 120 Vertreter der kommunalen und Landesbehörden waren der Einladung des Landesamtes für Natur-, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) gefolgt.

Die Veterinäre tauschten bei dem Treffen vor allem Erfahrungen aus. Es ging aber auch darum, wie man sich über bürokratische und regionale Grenzen hinweg am effektivsten abstimmt, um eine mögliche Einschleppung der Tierseuche nach NRW zu verhindern. Experten des Friedrich-Loeffler-Instituts, des Umweltministeriums und des LANUV informierten über die neuesten Erkenntnisse und die aktuelle Lage in den osteuropäischen Ländern, wo die ASP bereits um sich greift. Ferner diskutierten die Veterinäre und Experten die bundesweit erste ASP-Übung, die vor zwei Wochen in zwei Landkreisen in NRW stattgefunden hatte.

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