Jagd im Nationalpark soll eingestellt werden

2020 wird die Jagd auf Rotwild in einem „Kerngebiet“ des Nationalparks Nordschwarzwald eingestellt. Laut Wildtiermanager sei die Jagd schuld daran, dass sich das Rotwild nicht zeige.

Zwei Rothirsche in der Natur

Foto: Sandra Becker

115.000 Hektar ist das größte Rotwild-Gebiet in Baden-Württemberg groß, zu dem auch der Nationalpark Schwarzwald gehört. Im Nationalpark lässt sich das Rotwild aber nicht blicken ­– jedenfalls nicht für den Besucher. Die Leitung des Nationalparks zieht jetzt einen Schlussstrich und sieht die Jagd als Ursache für das scheue Verhalten. Demnach soll im 3.000 Hektar großen „Kerngebiet“ des Nationalparks die Jagd auf Rotwild ab dem Jahr 2020 vollständig ausgesetzt werden. Eine Genehmigung stehe hierzu aber noch aus, berichtet der Acher- und Bühler Bote.

Im Nationalpark sei der Hirsch kein Schädling, erklärt Friedrich Burghardt, Wildtiermanager des Nationalparks das Vorhaben und spricht sich dabei gegen eine „falsche Bejagung“ aus. Bisher ist die Jagd auf Rotwild im Nationalpark auf jeweils zwei Wochen im Sommer und Winter sowie eine Drückjagd begrenzt. Burghardt sieht das kritisch, insbesondere was die Jagd im Januar betrifft, bei der rund 30 Prozent Rotwild erlegt würden. Er begründet es damit, dass die Tiere bei der Jagd aufgehetzt werden. Dabei verbrauchten sie mehr Energie. Im Januar ist die Nahrung knapp, sodass sie vermehrt Bäume schälen, führt Burghardt seine Argumentation an. „Der Mensch produziert Schälschäden“, resümiert er daraus. Bei seiner Kritik beschränkt er sich hier aber nur auf die Jagd im Januar, jene im Sommer oder die Drückjagd lässt er völlig außer Acht.

Rotwild begibt sich auf Wanderschaft und wird somit nicht nur im Nationalpark gehalten, sodass mit Schalschäden auch außerhalb des Nationalparks zu rechnen ist. Laut Burghardt sollen angrenzende Wirtschaftswälder durch das Ausbleiben der Jagd im „Kernzentrum“ nicht geschädigt werden. „Wir müssen die Sorgen der Nachbarn ernst nehmen“, räumte er dazu ein. Richtige Lösungsansätze, wie verhindert werden kann, dass das Wild Schäden in angrenzenden Wäldern anrichtet, gibt er nicht.

Weiterhin sagt er, dass sich das Rotwild aus Angst nur nachts auf offene Flächen traue. Auch hier sieht er die Jäger in der Pflicht. Doch auch Besucher des Waldes, wie Spaziergänger, Geocacher, Fahrradfahrer oder Mountain Biker, nutzen den Wald für Sport- und Freizeitaktivitäten (wir berichteten hier und hier). Damit schrecken sie das Wild ebenfalls auf, was Burghardt in diesem Zusammenhang auch nicht erwähnt. Seine Sichtweise wirkt einseitig.

In Zukunft will der Wildtiermanager aber auch Wanderer auf Abstand halten. Geplant sei eine Station, von der aus mit einem Fernrohr mit starker Vergrößerung Rotwild beobachtet werden kann.

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