„Hochsitzsäger“ verurteilt

23-jähriger Student gab zu 13 Hochsitze umgeworfen sowie teilweise mit jägerfeindlichen Parolen beschmiert zu haben und wurde dafür zu einer Geldstrafe von 2.250€ verurteilt

Die Verhandlung gegen den 23-jährigen Studenten fand vor dem Amtsgericht Papenburg statt (Beispielbild: Jan Mallander)

Die Verhandlung gegen den 23-jährigen Studenten fand vor dem Amtsgericht Papenburg statt (Beispielbild: Jan Mallander)

Am Donnerstag (06.02.2020) verurteilte das Amtsgericht Papenburg einen 23-jährigen Studenten zu einer vergleichsweise geringen Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 15€. Vor Gericht hatte er zugegeben im Februar des vergangenen Jahres in den Gemeinden Werlte, Lorup, Lehe, Heede und Papenburg im niedersächsischen Emsland insgesamt 13 Hochsitze umgeschmissen und teilweise mit Anti-Jäger-Parolen, wie beispielsweise „Fuck Hunters“ und dem Logo der ALF (Animal Liberation Front), beschmiert zu haben.

Die Staatsanwaltschaft hatte ein Jahr auf Bewährung wegen der Zerstörung von Bauwerken gefordert – dem folgte der zuständige Richter und Direktor des Amtsgerichts Papenburg Gerhard Többen nicht:

„Wir haben dafürgehalten, dass sich die Hochsitze nicht als Gebäude darstellen, sondern dass es sich um eine schlichte Sachbeschädigung und nicht um eine qualifizierte Sachbeschädigung handelt“, äußerte sich Többen zur Urteilsbegründung.

Der Angeklagte habe sich zwar als Jagdgegner geoutet und ausgesagt, dass er eindeutig gegen die Ausübung der Jagd sei, dennoch hätte das Gericht keine Feststellungen darüber treffen können, dass der Angeklagte Mitglied einer militanten Organisation ist.

Die Begründung des Gerichts verwundert, war doch in einer Polizeimeldung der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim vom 24. April 2019 noch wörtlich zu lesen:

„Für die Taten wurde auf einer einschlägigen Internetseite von Jagdgegnern ein Bekennerschreiben veröffentlicht. Der Täter dürfte aus dem Kreis militanter Tierschützer mit Bekenntnis zur Animal Liberation Front (A.L.F.) stammen. An diversen Hochsitzen wurden Parolen wie "Fuck Hunters" sowie Symbole der "A.L.F." aufgebracht. Bei der Animal Liberation Front handelt es sich um eine dezentral organisierte Gruppe der militanten Tierbefreiungsbewegung. Ihr Ziel ist es, Tierversuche und Tötung von Tieren durch Anschläge und Sachbeschädigungen zu erschweren oder zu verhindern“.

Mit diesem Bild, das von einer Wildkamera aufgenommen wurde, fahndete die Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim öffentlich nach dem mutmaßlichen Täter. (Quelle: Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim)

Mit diesem Bild, das von einer Wildkamera aufgenommen wurde, fahndete die Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim öffentlich nach dem mutmaßlichen Täter. (Quelle: Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim)

In derselben Polizeimeldung vom 24.04.2019 wurde darüber hinaus ein Fahndungsfoto veröffentlicht, das den vermeintlichen Täter zeigte und mit dem die Bevölkerung zur Mithilfe aufgefordert worden war. Die Aufnahme stammte von einer Wildkamera, die an einem Wildwechsel in einem Revier in Werlte angebracht war, in dem ein Hochsitz beschädigt wurde. Aufgrund mehrerer Hinweise aus der Bevölkerung rückte der damals 22-Jährige aus der Gemeinde Esterwegen im Emsland in den Fokus der Ermittlungen, was die Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim am 02. Mai 2029 öffentlich gemacht hatte und sich durch das Auffinden weiterer Beweismittel zeitnah bestätigte.

Bei weiteren Ermittlungen wurde festgestellt, dass der Beschuldigte seinen Lebensmittelpunkt nach Groningen in den Niederlanden verlegt hat. In Kooperation mit der niederländischen Polizei wurde daraufhin die Wohnanschrift des Beschuldigten in Groningen durchsucht und weitere Beweismittel aufgefunden.

Erstellt mit Material des NDR und der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim

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