Hirsch-Krankheit auf dem Vormarsch

Die „Chronic Wasting Disease“ ist eine Krankheit, die Hirsche und Elche in Nordamerika heimsucht. Die potenziell tödliche Seuche breitet sich weiter aus – und zunehmend äußern Mediziner Sorgen, dass sich auch Menschen anstecken könnten.

Weißwedelhirsch beim Äsen

Foto: skeeze

Zugegeben, die Schlagzeilen sind reißerisch: Von einer „Zombie-Krankheit“ unter Hirschen ist in diversen Nachrichtenportalen derzeit die Rede. Und dennoch liegt ihnen ein wahrer Kern zugrunde. Der Erreger, ein sogenanntes Prion, wandert nämlich durch das zentrale Nervensystem und sorgt insbesondere im Hirn für massive Schädigungen. Infolgedessen zeigen sich diverse Symptome: Dramatischer Gewichtsverlust, Koordinationsstörungen, Lustlosigkeit – aber auch Aggressivität und das Ablegen der Scheu gegenüber Menschen. Die Rede ist von der tödlichen „Chronic Wasting Disease“ (CWD), einer Krankheit eng verwandt mit der Bovinen spongiformen Enzephalopathie (BSE) und der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. Die CWD befällt in der Natur Nordamerikas diverse Cerviden-Arten, wie etwa Maultier- und Weißwedelhirsche, Wapitis sowie Elche.

CNN greift nun eine Warnung des „Center for Disease Control and Prevention" auf – ironischerweise also jenes Instituts, das Zombie-Fans aus der US-Serie „The Walking Dead“ kennen. Die Wissenschaftler warnen vor einer zunehmenden Ausbreitung der CWD auf dem nordamerikanischen Kontinent. So seien bereits nachweislich 24 Bundesstaaten der USA ebenso wie zwei kanadische Provinzen betroffen. Gleichzeitig müsse mit einer hohen Dunkelziffer gerechnet werden, da sich die Symptome mitunter erst sehr zeitverzögert nach einer Infektion ausprägen und die Überwachung von Wildtierpopulationen generell anspruchsvoll sei. Dementsprechend wichtig sei auch die Rolle der Jäger vor Ort, um Infektionsherde einzugrenzen. Da aber der Erreger mutmaßlich durch Körperflüssigkeiten übertragen werde, müsse in Risikogebieten eine strikte Hygiene eingehalten werden. Vom Verzehr des Fleischs offensichtlich erkrankter Tiere sollte abgesehen werden – auch wenn, Stand heute, die Krankheit nicht auf den Menschen übertragen werden kann.

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Diese Annahme zweifelt ein US-Mediziner nun an. Wie die USA Today berichtet, habe Michael Osterholm, Direktor des „Center for Infectious Disease Research and Policy“ an der Universität von Minnesota, gegenüber Politikern eine eindringliche Warnung ausgesprochen. Man wisse einfach nicht, wie weit sich die Krankheit bereits ausgebreitet habe, so der Wissenschaftler. Es sei durchaus möglich, „dass in den nächsten Jahren Fälle von CWD beim Menschen durch den Verzehr von infiziertem Fleisch auftreten.“ In einem solchen Szenario müsse mit „beträchtlichen Fallzahlen“ gerechnet werden, die sich nicht auf einzelne isolierte Gebiete beschränken würden. Gerade durch die nahe Verwandtschaft des Erregers zur BSE dürfe man diese Gefahr nicht unterschätzen – wie es seinerzeit in Großbritannien getan worden sei. Zudem zeigen erste Laborversuche an Primaten, dass die CWD durchaus andere Säugetiere befallen kann. Oder wie der Mediziner bilanziert: „Würde Stephen King einen Roman über eine Infektionskrankheit verfassen, er würde ihn über Prionen schreiben!“

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