Harte Zeiten für Bayerns Staatsjäger

Harte Zeiten für Bayerns Staatsförster: Der Schlachtruf „Wald vor Wild“ steht auf dem Prüfstand, seit im Freistaat die Freien Wähler mitregieren und manche Staatsjäger ihren Kritikern Steilvorlagen liefern.

Michaela Kaniber (CSU) und Hubert Aiwanger (FW)

Foto: Michaela Kaniber (CSU) und Hubert Aiwanger (FW) (Quelle: www.michaela-kaniber.de/www. stmwi.bayern.de)

Jüngster Aufreger: Die Verwaltung des Nationalparks Berchtesgaden musste eine Presserklärung zurücknehmen. Dort hatte es geheißen, der Landesjagdverband sei bei einem Ortstermin zum Abschuss führender Hirschkühe zur Ansicht gekommen, dass den Nationalpark-Jägern „keinerlei Fehlverhalten nachgewiesen werden könne“.

Vorläufiger Höhepunkt einer Serie von Peinlichkeiten. Wie auch das saftige Bußgeld, das die Jagdbehörde des Landkreises Garmisch-Partenkirchen gegen das Forstamt Oberammergau verhängte – wegen massiver und eigenmächtiger Überschreitung der Abschusspläne.

Auch der Garmischer Landrat gehört zu den Freien Wählern. Im Landtag vertritt dagegen Florian Streibl Bayerns südlichsten Landkreis, ebenfalls von den Freien Wählern – und Jäger wie sein Parteichef Hubert Aiwanger. Jagdgegner klagen schon über die Macht der Jäger-Lobby in der Staatsregierung.

Wahr ist: Auch in der CSU-Fraktion gab und gibt es reichlich Jagdschein-Inhaber. Vor Jahrzehnten machte sogar ein Jungjäger-Kurs in der Landtagskantine Schlagzeilen. Und Bayerns Jäger-Präsident Jürgen Vocke saß selber mal für die CSU im Landtag. Aber durchgesetzt hatten sich dort bisher hauptsächlich die Anhänger der „Weihenstephaner Lehre“, also des absoluten Vorrangs ungehinderter Waldverjüngung.

Dass der Wind im Staatsforst nun etwas rauer weht, macht FW-Chef Aiwanger regelmäßig deutlich: Zum Beispiel, wenn er sich über Förster lustig macht, die „auf den Knien rutschend schauen“, ob sie irgendwo verbissene Pflänzlein von Eiche oder Vogelbeere finden.

Er werde „die Gams nicht zum Knospenabfresser abwerten lassen“, lautet eine der Kampfansagen des Vize-Ministerpräsidenten. Und das klingt nach Rückendeckung für den Verein „Wildes Bayern“, der dem Staatsforst seit Jahren unwaidmännische Jagdmethoden vorwirft. Noch dazu unter Mitwirkung von Mitgliedern des Wittelsbacher Königshauses.

Womit wir wieder in Berchtesgaden wären. Dort hat „Wildes Bayern“ jämmerlich verhungerte Rotwild-Kälber abgelichtet und den Nationalpark-Förstern Verstöße gegen den Muttertierschutz vorgeworfen. Nach dem Lokaltermin mit Vertretern des Landesjagdverbands (BJV) musste die Nationalparkverwaltung ihre Darstellung vom vermeintlich harmonischen Verlauf des Treffens korrigieren: „Nicht korrekt ist, dass 'die Vertreter des BJV bekräftigten, dass sie die Anschuldigungen des Vereins für haltlos erachten'“. Mal wieder Wasser auf Aiwangers Mühlen und Bestätigung seines Vorwurfs, dass sich „staatliche Stellen beim Thema Verbiss oftmals zu viel anmaßen“.

Die Hoffnung, dass sich die für den Forst zuständige Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber oder gar Ministerpräsident Markus Söder schützend vor die Staatsjäger stellen, ist eher gering: In Jagdfragen ist die Staatsregierung erstaunlich einig. Zum Beispiel bei der Forderung nach wolfsfreien Zonen. Obwohl es auch in Bayern Förster geben soll, denen das Raubtier als Helfer bei der Bekämpfung des Schalenwilds hoch willkommen wäre.

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