Halali für Bayerns Jäger-Präsidenten

Im Bayerischen Jagdverband hat der Diskurs um die Zukunft nach Jürgen Vocke begonnen – auch um Inhalte und politische Präsenz.

BJV-Präsident Vocke quartierte seinen Dackel auf Verbandskosten in einer Hundepension ein. Symbolbild: stefvet

BJV-Präsident Vocke quartierte seinen Dackel auf Verbandskosten in einer Hundepension ein. Symbolbild: stefvet

Dem Bayerischen Jagdverband steht das Halali auf den langjährigen Präsidenten ins Haus. Nach einer Hausdurchsuchung in der BJV-Zentrale mehren sich die Rücktrittsforderungen gegen Jürgen Vocke. Ein Wirtschaftsprüfer sieht sogar die Gemeinnützigkeit in Gefahr. 

Während Vocke noch vor wenigen Tagen sagte, dass er die Vorwürfe zum Umgang mit Verbandsgeldern nicht verstehen könne, wächst der Druck auf den 76-Jährigen täglich. Nach den „Jungen Jägern“, die den Präsidenten vor geraumer Zeit aufforderten, seinen Hut zu nehmen und dem BJV damit einen letzten Dienst zu erweisen, haben mehrere Kreisjagdverbände offiziell den Rücktritt des Präsidenten verlangt. 

Längst konzentriert sich die Affäre auf die Frage, ob Vocke noch bis zum außerordentlichen Landesjägertag am 26. Oktober durchhält. Das Treffen wurde unter dem Eindruck vernichtender Kritik an der Kassenführung des 47.000 Mitglieder starken Verbands anberaumt. Ein Wirtschaftsprüfer, berichtet die Augsburger Allgemeine Zeitung, warnte davor, „dass die Gemeinnützigkeit des Jagdverbandes gefährdet ist“. 

Widersprochen hat Vocke mittlerweile dem Vorwurf, dass er seine Aufwandsentschädigung von monatlich 5.000 Euro nicht ordnungsgemäß versteuert habe. Nach den Hausdurchsuchungen zum Wochenbeginn sieht sich der Polizeibeamte Andreas Ruepp dennoch bestätigt. Mit seiner Strafanzeige hatte der Vorsitzende der Memminger Kreisjägerschaft, der auch im BJV-Präsidium sitzt, die Steine ins Rollen gebracht. 

Während sich die Publikumsmedien weiter mit pikanten Details zu Vockes einnehmenden Wesen beschäftigen, hat in der bayerischen Jägerschaft die Aufarbeitung einer seit Jahren schwelenden Diskussion um Mängel der Verbandsarbeit begonnen: Trotz hohen Aufwands, gerade auch für die Öffentlichkeitsarbeit, sei es nicht gelungen, den jagdlichen Positionen entsprechend der Bedeutung des BJV Gehör zu verschaffen. 

Dabei geht es auch um Vockes Verbindungen zur Regierungspartei CSU, für die der Jäger-Präsident lange Jahre im Landtag saß. Trotz solcher Nähe entwickelte sich in dieser Zeit eine in Bayern besonders ausgeprägte Betonung der „Wald vor Wild“-Ideologie – bis hinein ins Forstministerium. Der Einfluss des vergleichsweise winzigen „Ökologischen Jagdverbands“, klagen Vocke-Kritiker, sei dort weit größer als der des mitgliederstarken BJV. 

In die Zukunft nach Vocke sind auch Spekulationen gerichtet, ob der BJV unter neuer Führung den Weg zurück in den Deutschen Jagdverband (DJV) finden könnte. Vocke setzte den Austritt aus der Dachorganisation vor zehn Jahren mit Zweifeln an der politischen Schlagkraft des DJV durch. Ob sich die Position von Jagd und Jägern seither in Bayern besser entwickelte als im Bund, gehört zu den Fragen, die wohl wichtiger sind als die aktuelle Aufregung. Zum Beispiel darüber, dass der Noch-Präsident seinen Dackel auf Verbandskosten in einer Hundepension einquartierte.

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