Gibt es bald Wolfszonen in der Schweiz?

Der Verein „Lebensraum Schweiz ohne Großraubtiere“ hat eine neue Idee. Dem Wolf sollen Zonen zugewiesen werden, in denen er leben kann. Diese sollen von den Kantonen bestimmt werden.

Wölfe im Schnee

Foto: Dieter Hopf

In der Schweiz präsentiert der Verein „Lebensraum Schweiz ohne Großraubtiere“ zurzeit sein „Großraubtierkonzept“. Mit Vertretern der Alpwirtschaft und des Bauernverbands wurde bereits gesprochen, als Nächstes werden die Kantone in die Pläne eingeweiht, schreibt 1815.ch. Vom WWF gibt es Kritik für den Vorstoß.

Wenn es nach den Plänen geht, sollen Kantone in Zukunft selbst entscheiden, wie mit dem Wolf umgegangen wird. Dafür soll das Territorium in drei Zonen eingeteilt werden, meint Georges Schnydrig vom Verein „Lebensraum Schweiz ohne Großraubtiere“. Es gäbe die „sensible Zone“, welche vor allem in Siedlungsgebieten und touristischen Hotspots gelten würde. Dort hätte der Wolf quasi keine Daseinsberechtigung und könnte sofort getötet werden. In der „weniger sensiblen Zone“ würde der Wolf bei gelegentlichem Erscheinen toleriert und in der „offenen Zone“ wäre eine Wolfspräsenz möglich.

Der Verein „Lebensraum Schweiz ohne Großraubtiere“ will den Kantonen mit seiner Idee nach eigenen Angaben ihre Selbstbestimmung zurückgeben. Schnydrig sagt: „Auf der Basis der heute gültigen Gesetzgebung ist die jetzige Situation nach wie vor vollkommen unbefriedigend. Im Moment ist es so, dass Bern beschließt, was die Bauern vor Ort umzusetzen haben. Es wird Zeit, dass das Wallis, aber auch alle anderen Kantone in der Wolfsthematik endlich Verantwortung übernehmen.“

Für die Umsetzung des Plans solle ein Nutzungskonzept durch die Kantone erstellt werden, meint Schnydrig dem Bericht zufolge. Dort würde zum Beispiel festgelegt, welche Regionen landwirtschaftlich bewirtschaftet werden sollen oder wo besonders viele Touristen sind. Danach könnten die Kantone in die vorgeschlagenen Zonen eingeteilt werden.

Die Tier- und Naturschutzorganisation WWF hält von dem „Großraubtierkonzept“ nicht wirklich viel. „Einerseits begrüßen wir, dass der Verein offenbar seine Nulltoleranz gegenüber Wölfen in der Schweiz aufgegeben hat“, sagt die Geschäftsführerin vom WWF Oberwallis, Laura Schmid. „Andererseits stellt sich die Frage, was das Konzept bringen soll.“ Schmid ist sicher, dass sich der Wolf zum Beispiel grundsätzlich von Siedlungsgebieten oder stark frequentierten Gebieten fernhalten und sich vor allem auch nicht an vorgeschriebene Zonen halten würde. Auch Nutztierrisse, die der Verein durch sein Konzept vermeiden will, würden nicht durch Zonen, sondern durch Herdenschutzmaßnahmen verhindert.

In der Schweiz kommt es regelmäßig zu Nutztierrissen durch Wölfe. Zuletzt wurde der Abschuss eines Tieres erlaubt, da es rund 50 Schafe gerissen hatte (wir berichteten). Ende September sprach sich der Nationalrat außerdem dafür aus, dass der Wolf nicht mehr als geschützte Art gilt (wir berichteten).

Das könnte Sie auch interessieren

Folgen Sie uns!