Gedächtnisleistungen bei Wildtieren III

Von alten Hasen und Erkenntnissen für den Jagdbetrieb

Ein Beitrag von Burkhard Stöcker, Stiftung Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern

Ein röhrender Hirsch (Foto: Burkhard Stöcker)

Ein röhrender Hirsch (Foto: Burkhard Stöcker)

Interessantes zum Lernverhalten des Hasen wird aus Polen berichtet: Der Anteil von Althasen, die während der Feldjagden aus der Treiberwehr heraus erlegt werden, ist deutlich höher als der von Junghasen – möglicherweise hat der ein oder andere Althase schon die Erfahrung gemacht, dass man durch eine Treiberwehr auch mal hindurchschlüpfen kann....

Doch auch die vielleicht etwas dümmeren Vögel reagieren clever genug auf unsere jagdlichen Aktivitäten. Die gleichen Stockenten, die sich im Stadtpark füttern lassen, sind auf den bejagten Gewässern vor der Stadt genauso scheu wie ihre rein wilden Kollegen. Dies gilt in gleichem Maße für die Ringeltauben. Und auch bei der unbejagten Amsel unterscheiden wir eine zahme Garten- und eine sehr scheu Waldamsel – erstere hat wahrscheinlich durch ihren extrem häufigen Kontakt zum harmlosen Stadtmenschen aus ökonomischen Gründen jegliche Fluchtreaktion eingestellt. Die Waldamsel hingegen hat nur wenig Kontakt zum Mensch und ihn daher, möglicherweise noch nicht ausreichend, als harmlos erkannt.

Jagd und Verfolgung durch den Menschen: Lebensgefahr ist der entscheidende Motor für scheue Tiere. Letztere wollen wir aber aus verschiedensten Gründen möglichst wenige haben. Daher lassen sich aus den vorstehenden Betrachtungen einige Erkenntnisse für den praktischen Jagdbetrieb ableiten:

1. Jagd verstärkt auf einzeln gehendes Wild – hier gibt es keine „Zeugen“, welche die negativen Erfahrungen speichern und möglicherweise sogar weitergeben können.

2. Auch im Sinne einer effektiven Jagdausübung sollten ganze Familienverbände erlegt werden. Also Kalb plus Alttier oder Kitze plus Ricke – dann bleiben auch hier keine negativen Erfahrungen zurück.

3. Sind Schüsse ins Rudel unvermeidbar, sollte so lange gewartet werden bis wirklich alle Rudelmitglieder den Wahrnehmungsbereich um die Erlegungsstelle verlassen haben. Nur dann ist gewährleistet, dass Schuss und Tod des Rudelmitgliedes nicht unbedingt mit Mensch in Verbindung gebracht wird.  

    Unser Wild ist nicht dumm – und wenn wir behaupten schlauer zu sein und der Lauf der Welt und verschiedenste Studien deuten zumindest teilweise darauf hin, sollten wir dies auch in der täglichen Jagdausübung unter Beweis stellen!

    Logo der Stiftung Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern

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    Ein Beitrag von Burkhard Stöcker, von unserem Premiumpartner, der Stiftung Wald  Wild in Mecklenburg-Vorpommern.

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