Fuchsjagd in Hessen eröffnet

Fuchs

Foto: Karl-Heinz Fritschek

Seit dem 1. April gilt in Hessen die umstrittene neue Jagdverordnung (wir berichteten) von Umweltministerin Priska Hinz (Bündnis 90/Grüne). Diese sieht erstmals eine Schonzeit für Jungfüchse vor; erst ab dem 15. August dürfen sie wieder gejagt werden. Weil der Lebensraum knapper wird, leiden viele Tierarten unter den hungrigen Füchsen. „Hasen, aber auch viele bodenbrütende Arten, wie Rebhuhn, Kiebitz und Feldlerche benötigen dringend Schutz vor dem Fuchs, während sie ihre Gelege ausbrüten und ihre Küken großziehen“, sagt Dr. Jürgen Ellenberger, Präsident des hessischen Landesjagdverbandes, in einer Pressemitteilung. Den hessischen Jägern seien durch die neue Jagdverordnung die Hände gebunden, sie „können ihren gesetzlichen Hegeauftrag nicht mehr erfüllen“.

Andreas Mohr, Gründer des ersten Rebhuhn-Hegerings in Hessen, steht der Schonzeit für Jungfüchse ebenfalls kritisch gegenüber. In seinem Revier wurden drei Viertel der Gelege gefressen, nur ein Viertel entkomme den Fressfeinden. Für ihn ist es deshalb kein Wunder, dass die Feldvogelbesätze auf einem bedenklichen Niveau sind. Mohrs Einschätzung nach wird sich die Situation für die Bodenbrüter sogar noch weiter zuspitzen. „Normalerweise haben wir um diese Jahreszeit in unserem Revier schon 20 Jungfüchse erlegt, das ist jetzt nicht mehr aufzuholen. Jungfüchse zu bejagen, ist kein Vergnügen.“ Allerdings sei die Bejagung angesichts der Fleischmengen von 300 bis 500 Gramm, die ein Fuchs täglich braucht, eine dringend benötigte Entlastung. Der Fang mit tierschutzgerechten Fallen sei dafür ein probates Mittel.

Waschbär

Foto: Dieter Hopf

Dass Hessen ein Problem mit Raubsäugern hat, zeigt auch ein Bericht der Gießener Allgemeinen: Der Waschbär richtet vor allem in Nordhessen Schäden in Häusern und Gärten an. Doch nicht nur für den Menschen sei der Waschbär ein Problem, sondern insbesondere für Rehkitze, Rebhühner und Junghasen. Jäger könnten bei dem Problem eigentlich Abhilfe schaffen. „Da der Waschbär dem Jagdrecht unterliegt, sind Jäger kompetente Ansprechpartner“, befürwortet Dr. Jürgen Ellenberger die Eindämmung. Die EU hat den Waschbären sogar in die Liste der invasiven Arten aufgenommen (wir berichteten).

Doch das grüne Jagdrecht in Hessen macht der EU-Verordnung und den Jägern einen Strich durch die Rechnung: Auch der Waschbär unterliegt nun einer Schonzeit und darf nur vom 1. August bis zum 28. Februar bejagt werden. Die Entnahme von Jungtieren fällt so weg, und auch sonst sind die nachtaktiven Räuber nur schwer zu jagen.

Zu den Füchsen und Waschbären (wir berichteten) kommen weitere Raubsäuger wie Stein- und Baummarder oder Iltisse. „Vor Einführung der Tollwutimmunisierung lebten durchschnittlich auf 100 Hektar ein Fuchs und ein Marder“, sagt Dr. Astrid Sutor vom Deutschen Jagdverband in der Pressemitteilung des LJV Hessen. Mittlerweile sei der Druck durch Raubsäuger drastisch angestiegen. Das häufig von Tierschutzverbänden angeführte Argument, dass der Fuchsbestand sich besser von selbst reguliere, lässt Dr. Sutor nicht gelten. „Es gibt auch keinen wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass eine verstärkte Bejagung generell zu mehr Nachwuchs führt.“

Ein Anzeichen für die hohen Populationsdichten der Füchse sei das akute Auftreten von Infektionskrankheiten wie Räude, Staupe und Leptospirose in Hessen (wir berichteten). Hunde- und Katzenhaltern empfiehlt sie daher dringend, den Impfschutz ihrer Vierbeiner zu überprüfen. Eine jagdliche Regulierung der Füchse könne die Staupe nicht vollständig unterbinden, aber die Übertragungswahrscheinlichkeit senken und die Verbreitung der Staupe eindämmen, meint Dr. Ellenberger. Der Präsident des LJV Hessen appelliert an Umweltministerin Hinz: „Der Jungfuchs muss wieder ganzjährig bejagbar sein, sonst werden viele Arten in der Feldflur darunter leiden.“

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