Falsche Tierliebe: Frau nimmt Rehkitz mit

Im nordrhein-westfälischen Bergheim hat eine Frau ein vermeintlich verlassenes Rehkitz mitgenommen. Dass es sich dabei um eine Straftat handelt, war der 32-Jährigen nicht bekannt.

Rehkitz mit Blatt im Äser

Symbolbild: Dieter Hopf

Süß ist der Anblick eines Rehkitzes allemal. Wenn gerade dieses dann noch alleine im Wald herumirrt und nach der Ricke fiept, wird schnell das Mitgefühl geweckt. So ging es auch einer Spaziergängerin im nordrhein-westfälischen Bergheim. Sie nahm an, das Rehkitz sei von der Mutter verlassen worden und hilflos. Beim Abendspaziergang sei das Tier ihr zusätzlich noch hinterher gelaufen, wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet. So nahm die Frau es mit nach Hause. Dass sie sich mit ihrem Handeln der Wilderei strafbar gemacht hat, war ihr nicht bewusst. Für das Tier hat die Tat gravierende Folgen: Es kann nach dem Kontakt mit einem Menschen nicht wieder ausgewildert werden.

Mittlerweile ist das Rehkitz dem Bericht zufolge in einem Ziegenhof in Bornheim untergebracht. Dort wird es von seinen „Pflegeeltern“ alle zwei Stunden mit frischer Ziegenmilch versorgt. Längerfristig kann es aber nicht auf dem Hof bleiben. Da das „Findelkind“ ein Rehbock ist, wird im zweiten Jahr schon sein Gehörn wachsen und zur Gefahr werden. „Rehböcke übertragen ihr natürliches Territorial- und Paarungsverhalten in solchen Fällen auf den Menschen“, erklärte Dr. Bernd Stracke, Jagdpächter aus Köln, gegenüber der Zeitung. Und auch in die Natur kann es nicht mehr zurück. „Es mitzunehmen ist der größte Fehler, den man machen kann“, bestätigte Stracke. Einmal von Menschen berührt, stößt die Ricke es ab.

Trotz ihrer Tat ist die Frau übrigens juristisch glimpflich davon gekommen. Der Jagdpächter hat keine Strafanzeige gestellt. „Sie ist ja auch schon durch das Wissen über die Folgen ihres Fehlverhaltens bestraft genug“, erklärte er. Nur der Rehbock wird für die Unwissenheit der Frau bestraft.

Ein ähnlicher Vorfall hatte sich erst kürzlich im Sauerland ereignet: Jugendliche posierten für Selfies mit einem Rehkitz und berührten es. Zum Glück für das Tier wird es jetzt in der Obhut eines 18-jährigen Nachwuchsjägers großgezogen (wir berichteten).

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