Ex-Regierungschef kämpft gegen Hardcore-Tierschutz

Südtirols ehemaliger Landeshauptmann will sich dem Abschuss-Verbot für Murmel und Kormoran nicht beugen

Der Streit in Südtirol entbrannte aufgrund der Abschussgenehmigungen für Murmeltiere und Kormorane (Fotos: PublicDomainPictures/ Maria-Bernadette Inkmann)

Der Streit in Südtirol entbrannte aufgrund der Abschussgenehmigungen für Murmeltiere und Kormorane (Fotos: PublicDomainPictures/ Maria-Bernadette Inkmann)

Neues Kapitel eines schier unendlichen Dramas: In Südtirol müssen sich ehemalige Regierungsmitglieder noch immer gegen Millionen-Strafen wehren, weil sie den Abschuss von Murmeltieren zum Schutz der Almwirtschaft erlaubten. Ein Streit mit Konsequenzen für ganz Europa. 

Im Zentrum des Verfahrens: Südtirols ehemaliger Landeshauptmann Luis Durnwalder. Auf der Alpen-Südseite eine Legende wie einst Franz Josef Strauß in Bayern.  Von 1989 bis 2014 Landeshauptmann in Südtirol und von ungebremster Vitalität: Eben hat der Volkspartei-Politiker, der im September seinen 79. Geburtstag feiert, seine langjährige Lebensgefährtin geheiratet.  

Was dem Vater einer zehnjährigen Tochter keine Ruhe lässt: 568.125 Euro Geldstrafe, die Italiens Zentralverwaltung in Rom im Sommer 2018 gegen den beliebten Landesvater verhängte, weil seine Landesregierung den Abschuss von Murmeltieren und Kormoranen genehmigte. 

Ins Rollen brachten das Verfahren Tierschützer, die den ehemaligen Landeshauptmann beim Rechnungshof anzeigten: Durnwalder und der ehemalige Direktor des Amtes für Jagd und Fischerei, Heinrich Erhard (ebenfalls 568.125 Euro Strafe), hätten dem Staat mit den Abschussgenehmigungen erheblichen Schaden zugefügt. 

In Südtirol sorgten die Geldbußen für einen mittleren Volksaufstand: „Durch den Abschuss ist kein Schaden entstanden, es wurden Schäden verhindert”, erklärte der Bauernbund. Wo sich die Murmeltiere unkontrolliert vermehren, sei „an eine Bewirtschaftung der Bergwiesen nicht mehr zu denken”. Die Strafe sei „total überzogen, unverständlich und absolut weltfremd”. 

Die europäische Jägervereinigung FACE erkannte frühzeitig die Folgen weit über Tirol hinaus und beklagte einen „scharfen Angriff auch auf andere nachhaltige Jagdsysteme in Europa“. Verlust der Kulturlandschaft in den Bergweide-Gebieten bedeute auch Verlust von Artenvielfalt. 

Richtig spannend wird das Verfahren mit Blick auf die wachsende Wolfspopulation im Alpenraum. Wie Südtirol und Österreich ist auch Bayerns Landesregierung entschlossen, die Bergweide gegen Raubtier-Angriffe zu schützen. Die Alpen-Anrainer berufen sich dabei auf die Ausnahmen, die den nordeuropäischen Ländern zum Schutz der Rentierweiden zugestanden werden. 

Sollte die Haltung der römischen Zentralregierung Bestand haben, wäre dies fatal, weil ein vom kompromisslosen Artenschutz betroffenes Mitgliedsland von sich aus den Bestand der traditionellen Bergweide preisgibt. 

Durnwalder will das auch im Ruhestand nicht zulassen: Er werde das Urteil „natürlich auf allen Ebenen anfechten“, sagte er in einem Interview. Zum Schutz der Almwirtschaft und gegen die Gefahr, dass die wachsenden Kormoran-Kolonien „innerhalb eines halben Jahres die Bäche leerfischen“. 

Damit, dass der Rechnungshof in Rom die Strafen für ihn und seinen Jagdamtsdirektor nun auf je 468.125 Euro reduziert hat, ist Durnwalder längst nicht zufrieden. Vielmehr nimmt er seine Nachfolger in der Landesregierung und den Südtiroler Jagdverband aufs Korn: Die hätten sich stärker für die Interessen von Bauern, Jägern und Fischern einsetzen müssen „ohne sofort die Flinte ins Korn zu werfen“.

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