Erster Kindergarten schließt aus Angst vor Wolf

Ein Waldkindergarten aus Schleswig-Holstein hat alle Kinder präventiv umquartiert, da ein „aggressiver“ Wolf in der Nähe mehrere Schafe gerissen hatte.

Um die Kinder des „Waldkindergartens Christanslust“ keinem unnötigen Risiko auszusetzen, wurde die Einrichtung geschlossen und die Kinder in einer benachbarten Kita vorläufig untergebracht. (Symbolbild: Skeeze/Erich Westendarp/mlz)

Um die Kinder des „Waldkindergartens Christanslust“ keinem unnötigen Risiko auszusetzen, wurde die Einrichtung geschlossen und die Kinder in einer benachbarten Kita vorläufig untergebracht. (Symbolbild: Skeeze/Erich Westendarp/mlz)

Der „Waldkindergarten Christianslust“, der in einem Waldstück bei Quickborn beheimatet ist und in Trägerschaft der Johanniter steht, hat aus Angst vor einem aggressiven Wolf geschlossen – das Tier hatte nur rund fünf Kilometer von dem Kindergarten entfernt mehrere Schafe gerissen.

„Ja, wir haben eine Wolfswarnung bekommen und haben die Kinder präventiv im benachbarten Kindergarten in Burg untergebracht“, sagt Udo Neumann, Regionalvorstand der Johanniter in Schleswig-Holstein Nord/West, auf Nachfrage von FOCUS Online. Nachdem man gesehen habe, wie aggressiv der herumstreifende Wolf in Dithmarschen sei, habe man sich zu diesem vorsorglichen Schritt entschlossen, wie Neumann weiter sagt.

Damit ist der „Waldkindergarten Christanslust“ die erste Kita deutschlandweit, die sich zu diesem Schritt entschlossen hat.

Hintergrund:

In den vergangenen Tagen hatte es mehrfach Risse von Schafen bei vornehmlich einem Schafhalter im Bereich der Gemeinden St. Michaelisdonn, Kuden und Buchholz im Kreis Dithmarschen gegeben. In drei Fällen wurde dabei ein Wolf mit der Kennung GW1430m als Verursacher dieser Risse nachgewiesen, heißt es in einer Pressemitteilung des Umweltministeriums Schleswig-Holstein vom 18. Dezember 2019.

Bis auf eine Ausnahme erfolgten sämtliche Risse auf Flächen, die mit keinem wolfsabweisenden Zaun ausgestattet waren. Erst nach mehreren Rissen und mehrfacher Aufforderung durch die Landesbehörden seien auf den betroffenen Flächen in den vergangenen Tagen erste Herdenschutzzäune installiert worden. Nach dem Aufbau der Zäune kam es bei den umliegenden Schafhaltern zu keinen weiteren Rissereignissen.

Aufgrund eines sicherheitsrelevanten Vorfalls bei der Begutachtung des Rissereignisses vom Dienstag nahe St. Michaelisdonn musste zum Schutz der Rissgutachter die weitere Begutachtung auf dem betroffenen Betrieb bis auf weiteres ausgesetzt werden. Ohne ausreichende Sicherheit vor Übergriffen kann die Arbeit der Landesbediensteten nicht gewährleistet werden, heißt es aus dem Ministerium weiter. Das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung berate daher gemeinsam mit den Sicherheitsbehörden das weitere Vorgehen.

Für das Erteilen einer Entnahmegenehmigung sind die Voraussetzungen derzeit noch nicht erfüllt. Die Landesbehörden stehen in ständigem Austausch über aktuelle und zurückliegende Rissereignisse. Erst wenn sich herausstellen sollte, dass ein Wolf Nutztierrisse mehrfach hinter wolfsabweisenden Zäunen vorgenommen hat, könnte eine weitere Entnahmegenehmigung erteilt werden.

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