Elch-Alarm auf Usedom

Der junge Elch wurde von der Ordnungsbehörde als Sicherheitsrisiko eingestuft.

Elch

Symbolbild: Efraimstochter

Im Augenblick heißt es nicht Hai-Alarm auf Mallorca, sondern Elch-Alarm auf Usedom: Ein junger Elch hält auf der Halbinsel Bewohner und Urlauber auf Trab. Liefert das Tier Stoff für einen neuen Trash-Horrorstreifen – oder reagieren alle über? Werfen wir einen Blick auf die Fakten. Der junge Elchbulle streift seit gut zwei Wochen durch das Inselgebiet. Immer wieder wurde er dabei beobachtet, wie er in Vorgärten graste oder Straßen überquerte, berichtet die SVZ.

Die Ordnungsbehörde des Landkreises Vorpommern-Greifswald hat das Tier mittlerweile als Sicherheitsrisiko eingestuft. Auf den Straßen könne es zu Kollisionen zwischen Elch und Radfahrern oder Autos kommen. Deshalb erwägt das Amt Usedom-Nord, wo der Jungbulle zuletzt gesichtet wurde, das Tier zu betäuben, einzufangen und in ein anderes Gebiet zu bringen.

Die Deutsche Wildtier Stiftung bringt für den Plan der Behörden hingegen wenig Verständnis auf und verweist auf die Rotwildpopulation: „Wir haben auch viele Rothirsche auf Usedom, die eine ähnliche Gefahr darstellen könnten, wenn man so will. Da sollte ein einziger Elch doch zumindest im Moment niemanden aus der Ruhe bringen“, meint Christian Vorreyer von der Deutschen Wildtier Stiftung gegenüber der Zeitung. Seit den 1990er-Jahren seien Elche in den östlichen Bundesländern keine Seltenheit mehr. Gleiches gelte für Bayern.

Trotzdem sorgt der Usedomer Elch aktuell für allerlei Aufregung. Einem Bericht des Nordkuriers zufolge ist er derzeit ein beliebtes Foto- und Filmmotiv. Das geht so weit, dass sich Hobbyfotografen auf die Lauer legen oder dem Tier gefährlich nah kommen, teilweise mit verblüffendem Erfolg. Bei einer zufälligen Begegnung hat der 13-jährige Urlauber Felix Döhner in Zinnowitz mit seinem Handy ein Video gedreht, bei dem er bis auf eine Armlänge an den Elch herankommt. Der trabt sichtlich unbeeindruckt weiter übers Pflaster.

Genau hier sieht der Leiter des Forstamtes Neu-Pudalga, Felix Adolphi, ein Problem. Komme man dem Elch zu nah, könne der ganz schön gefährlich werden. „Ich bin geschockt, wie die Menschen sich verhalten. Das ist einfach nur dumm“, wird Adolphi zitiert. Dazu, dass Kinder den Elch mit Taschenlampen und Handykameras verfolgen, um ein Selfie zu ergattern, hat er eine eindeutige Meinung. „Der Elch fühlt sich bedroht, wenn Menschen ihn umringen“, macht Adolphi klar.

Egal, ob man ob des Elch-Alarms nun in Panik oder Euphorie verfällt, Respekt sollte man vor dem Tier allemal haben. Ein mehr als 100 Kilogramm schweres Tier, wie zutraulich oder friedlich es auch erscheinen mag, zu bedrängen, um ein schönes Foto zu knipsen, ist weder schlau noch ratsam. Dass man dem Elch so nahe kommen kann, liegt vermutlich daran, dass der junge Bulle noch keine Erfahrung mit Menschen hat und somit auch wenig Scheu besitzt. Wenn er sich jedoch bedrängt fühlt und plötzlich losrennt, kann er nicht nur für die Fotografen eine Gefahr werden, sondern insbesondere für den Straßenverkehr. Dies ist auch ein Grund dafür, dass er betäubt werden soll, wenn er das nächste Mal in einer Ortschaft auftaucht, so der Zinnowitzer Ordnungsamtsleiter Bernd Meyer.

Ob es jemals dazu kommen wird, ist allerdings fraglich: Der Usedomer Elch könnte bereits wieder in Richtung Festland unterwegs sein, so die Einschätzung von Jagd- und Forstexperte Andreas Kinser. Gewässer wie der Peenestrom zwischen Usedom und dem Festland in Mecklenburg-Vorpommern sind für die größte Hirschart kein Hindernis und können problemlos durchschwommen werden.

Das Handyvideo von Felix Döhner (13) können Sie sich hier anschauen:

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