Die Jagdpacht soll wieder attraktiver werden

Wildschwein

Symbolbild: Carol Scholz

Novellierungen von Jagdgesetzen, die ins Jagdrecht eingreifen, Zergliederung und Befriedung von Flächen sowie die Reduzierung der jagdbaren Arten, Wildschäden, mit denen hohe Kosten zusammenhängen, und schließlich noch Jagdpachtverträge, die neben langen Laufzeiten und teurer Pacht viel bürokratischen Aufwand bedeuten. Es sind viele Faktoren, die die Jagdpacht in Teilen Deutschlands zunehmend unattraktiv machen.

Damit sie nicht irgendwann ganz ohne Jagdpächter dasteht, hat die Gemeinde Langenenslingen in Baden-Württemberg nun Maßnahmen ergriffen. Der örtliche Jagdausschuss hat beschlossen, die Jagdpachtbedingungen ab dem Jahr 2017 zu ändern, berichtete die Schwäbische Zeitung.

So hat der Ausschuss etwa eine Neukalkulation des Pachtpreises initiiert, teilte Bürgermeister Andreas Schneider mit. Mit dieser Maßnahme möchte die Gemeinde stärker zwischen Wald und Feld differenzieren; Feldflächen soll künftig eine geringere Wertigkeit zukommen als Waldflächen. Für Jäger sind Feldflächen häufig weniger attraktiv, was sich am deutlichsten am Beispiel der Maisfelder erklären lässt. Diese locken Wildschweine an, die wiederum immer wieder für erhebliche Schäden sorgen – und für diese muss am Ende der Jäger aufkommen. Des Weiteren hat der Jagdausschuss einen pauschalen Abschlag von zwölf Prozent auf die Gesamtpachteinnahmen angeregt. Jäger, die an einer Drückjagd teilnehmen, erhalten einen zusätzlichen Nachlass. 

Beim Thema Wildschäden wird der Langenenslinger Jagdausschuss den Jagdpächtern unterdessen nur indirekt entgegenkommen. Weiterhin wird sich die Gemeinde nicht in finanzieller Form an den Schäden beteiligen. Auch eine Gemeinschaftskasse wurde abgelehnt, da eine gerechte Verteilung der Mittel aus Sicht der Verwaltung kaum möglich wäre. In Zukunft wird der Pächter den Schaden also weiterhin voll übernehmen müssen. 

Doch wird es ab 2017 Erleichterungen beim Sonderkündigungsrecht geben. Bislang war es möglich, die Pacht vorzeitig zu kündigen, wenn die Kosten für entstandene Schäden im Jahr 40 Prozent der gezahlten Pacht überstiegen. Künftig darf der Pächter kündigen, wenn die Kosten in zwei aufeinander folgenden Jahren derart groß sind, dass er draufzahlen müsste.

Eine weitere Erleichterung gibt es bei den Jagderlaubnisscheinen. Bislang mussten diese für jedes Jahr einzeln von der Gemeinde ausgestellt werden, künftig müssen die Scheine bei der Gemeinde nur noch angezeigt werden. Mit diesen Maßnahmen hofft der Langenenslinger Jagdausschuss, die Jagdpacht in der Gemeinde wieder attraktiver zu gestalten. Denn das ist laut Bürgermeister Schneider dringend nötig: „Der Run aufs Pachten ist nicht mehr so groß.“

Das könnte Sie auch interessieren

Folgen Sie uns!