Die Gams zwischen Iller und Argen 

Projekt soll Konflikt um die Gämsen lösen

Gams (Foto: BJV/ M. Ritter)

Ein Herz für die Gams: Zu hohe Abschusspläne gefährden die Gamspopulation in der Adelegg. Ein Monitoring soll nun Klarheit über den tatsächlichen Bestand bringen. (Foto: BJV/ M. Ritter)

Im bayerisch-württembergischen Grenzgebiet zwischen den Flüssen Iller und Argen schwelt seit Jahren ein Konflikt. In der sogenannten Adelegg, einer großen bewaldeten Berglandschaft westlich von Kempten, lebt seit Menschengedenken eine kleine außeralpine Gamspopulation. Nachdem 2019 die Abschusspläne für Gämse auf bayerischer Seite stark erhöht wurden, befürchten viele lokale Akteure ein Erlöschen dieser Population. In der Vergangenheit hat es vergleichbare Fälle leider bereits gegeben. „Gämse dürfen nach europäischem Recht nur dann bejagt werden, wenn ihr Erhaltungszustand als günstig eingeschätzt wird,“ sagt Hilmar Freiherr von Münchhausen, Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung. „Im Moment weiß jedoch niemand, wie viele Tiere zwischen Iller und Argen leben,“ so Münchhausen. Seit kurzem ist die Gämse sogar auf der Vorwarnliste der Roten Liste Deutschlands zu finden. Gemeinsam mit dem Internationalen Rat zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC) und dem Bayerischen Jagdverband hat die Deutsche Wildtier Stiftung daher ein Monitoring- und Mediations-Projekt in der Adelegg initiiert.

Vermitteln zum Wohle der Gams

„Uns ist es ein wichtiges Anliegen, dass der Konflikt rund um die Gams in der Adelegg wissensbasiert befriedet wird“ sagt Dr. Joachim Reddemann, Bereichsleiter beim Bayerischen Jagdverband. „Daher wollen wir durch das Projekt die Höhe des Gamswildbestandes ermitteln und die betroffenen Akteure an einen Tisch bringen,“ so Reddemann weiter. Bereits im vergangenen Herbst hatte das beauftragte wildbiologische Büro Kotproben in den Wäldern zwischen Iller und Argen gesammelt, um mittels genetischer Analysen die Höhe der Gamspopulation einschätzen zu können. Da auch um den Abschussplan 2021 heftig gerungen wird, sollen die Ergebnisse vor dem 1. August vorliegen, also bevor die Jagd auf Gämsen wieder beginnt.

Um gemeinsam mit den betroffenen Akteuren wie Förstern, Waldbesitzern und Jägern eine nachhaltige Lösung des Konfliktes zu erarbeiten, wurde Mitte März ein Fragebogen verschickt, der die verschiedensten potenziellen Einflussfaktoren auf den Konflikt in der Adelegg aufgreift. Mit seiner Hilfe und einer ersten digitalen Konferenz im Frühjahr können die unterschiedlichen Interessen der Akteure identifiziert werden. Im Sommer soll dann hoffentlich bei einer Präsenzveranstaltung eine gemeinsame Lösungsstrategie erarbeitet werden. „Mit diesem Projekt wollen wir auch ein Modell für den Umgang mit Randpopulationen der Gämse außerhalb der Alpen sein“, unterstreicht Dr. Steffen Koch, Leiter der Deutschen Delegation im CIC.

 

Quelle: Bayerischer Jagdverband e.V., 20. April 2021, Hamburg/ Feldkirchen

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