Das meiste Geld für Bär und Wolf

EU-Millionen für den Artenschutz: Löwenanteil für Raubtiere, Brosamen für bedrohte Insekten

Wolf und Braunbär in Finnland (Beispielbild: iStock/Mats Lindberg)

Wolf und Braunbär in Finnland (Beispielbild: iStock/Mats Lindberg)

1120 Millionen Euro hat die EU zwischen den Jahren 1992 und 2018 für Artenschutzprojekte ausgegeben. Doch der Geldsegen wird wohl höchst ungleich verteilt.  Der international geachtete Ökologe und Insektenforscher Stefano Mammola hat die Verteilung nachgerechnet: 99,4 Prozent für Säugetiere - vor allem Raubtiere - und Vögel, gerade mal 0,6 Prozent für den Rest der Fauna.

Auch die Details sind spannend: 47 Millionen Euro gab die EU für Braunbären aus, 33 Millionen für die Wölfe. Beides Arten, die von der International Union for Conservation of Nature (IUCN) als „of least concern”, also als „geringst gefährdet“ eingestuft werden.

Veröffentlicht hat die spannende Berechnung die hoch angesehene Royal Society of London. Ausführlich berichtet hat bisher nur der „Guardian“. Originalzitat: „Braunbären, Wölfe, Rohrdommeln und Luchse sind die Hollywood Stars des europäischen Artenschutzes.“ Für „weniger charismatische Kreaturen“ wie Spinnen oder Käfer bleibe da nur wenig Geld übrig, auch wenn diese wichtig für das Ökosystem und/oder stärker vom Aussterben bedroht sind.

EU-Geld fließt für 23 Prozent aller Wirbeltierarten, aber nur für 0,06 der Wirbellosen (Invertebraten). Auch unter den Säugetieren, stellt der Studien-Autor fest, herrschen unterschiedliche Maßstäbe bei der Geldverteilung. Es gebe einige Arten, die „alles bekommen“.  Insekten hingegen gehen weitgehend leer aus: „In der Habitat Directive findet sich nur eine Spinne, ein paar Käfer und kein einziger Parasit.“

Artenschutz-Experte Stefano Mammola fürchtet, dass auch Tiere „sexy“ sein sollten, um vom Artenschutz zu profitieren. Dabei beeinflusst der Publikumsgeschmack wohl auch die Institutionen. Die Artenschutz-Aufwendungen für Insekten decken sich weitgehend mit den Favoriten der Suchmaschinen-Anfragen bei „Google“: Vorn sind „farbenprächtige Geschöpfe“, Käfer, Schmetterlinge und Libellen.

Die Studie erscheint pünktlich zu den Beratungen über die Fortschreibung der EU-Strategie für die Förderung der Biodiversität, erwartetes Budget 20 Milliarden Euro. Dabei, hoffen Mammola und sein Team auf faire Verteilung des Geldes, also mehr Hilfe für die Wirbellosen.

Unter den Insekten, sagt die Studie, schreitet das Artensterben sechsmal schneller voran als im Rest der Tierwelt. Um diesen Prozess aufzuhalten, müsse es gelingen, breiten Schichten näher zu bringen, dass Krabbeltiere nicht nur wichtig für das Leben auf dem Planeten sind, sondern auch Charisma haben.

Salopp gesagt, müssen also sogar Tiere „sexy“ sein, um in der Menschenwelt zu überleben. Zumindest Europas Bienen scheinen das schon mal geschafft zu haben.

 

Der Link zur Studie

https://royalsocietypublishing.org/doi/10.1098/rspb.2020.2166

 

und zum Guardian:

https://www.theguardian.com/environment/2020/dec/09/sexy-beasts-animals-with-charisma-get-lions-share-of-eu-conservation-funds-aoe

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