„Da steht viel Unfug drin!“

Der MDR hat vorab einige Informationen zu geplanten Änderungen am thüringischen Landesjagdgesetz veröffentlicht. Der Landesjagdverband Thüringen äußerte sich dazu nun gegenüber Outfox-World.

Damschaufler

Foto: Benedikt Füchter

Über eine Änderung des thüringischen Landesjagdgesetzes wird in der Politik schon länger diskutiert. Bis zur Sommerpause soll es nun vom Landtag verabschiedet werden. Doch welchen Inhalt es haben wird und welche Änderungsvorschläge konkret angebracht werden, war bislang nicht bekannt. Die offizielle Vorstellung des Referentenentwurfs von Landwirtschaftsministerin Birgit Keller (Linke) wird erst am 2. März stattfinden. Der MDR stellte nun aber schon vorab einige Änderungen vor, die der Entwurf enthalten soll. 

Unter anderem soll es Änderungen im Umgang mit wildernden Hunden und streunenden Katzen geben, die Nutzung von Schalldämpfern soll erlaubt werden, Rehwild-Abschusspläne müssen nicht mehr behördlich bestätigt werden und die Pflicht zur Mitgliedschaft in einer Hegegemeinschaft soll abgeschafft werden. Eine offizielle Bestätigung dieser Vorhaben gibt es allerdings noch nicht.

Der thüringische Landesjagdverband (LJV) hat auch erst durch den MDR-Bericht von den geplanten Änderungen erfahren und bittet darum, die Veröffentlichung zunächst mit Vorsicht zu sehen, da die offizielle Vorstellung erst noch zu erfolgen habe. Dennoch äußerte sich Frank Herrmann, Geschäftsführer des LJV Thüringen, gegenüber Outfox-World zu einigen der veröffentlichten Vorschläge. Im Großen und Ganzen kommt er zu dem Schluss, dass da „viel Unfug“ drin steht. Außerdem verwies er darauf, dass es sich erst einmal nur um einen ersten Referentenentwurf handelt und noch viel diskutiert werden wird, bis dieser so im Landtag zur Abstimmung vorgestellt wird. 

Ein Teil des neuen Jagdgesetzes soll nach MDR-Angaben die Abschaffung der Pflicht sein, Mitglied in einer Hegegemeinschaft sein zu müssen. Die Wegnahme der Pflichtmitgliedschaft in einer Hegegemeinschaft wurde in der Vergangenheit schon mehrfach diskutiert. Thüringen ist das einzige Bundesland, in dem es noch eine Pflicht zur Mitgliedschaft gibt. Das hat sich nach Ansicht des LJV auch bewährt, wie Frank Herrmann gegenüber Outfox-World erklärte. Eine Abschaffung dieser Pflicht und damit die Abschaffung der gemeinsamen Bejagung von allen Revieren sei daher kritisch zu sehen. 

Auch im Umgang mit wildernden Hunden soll es weitreichende Änderungen geben. Laut Bericht des MDR sollen wildernde Hunde zukünftig nur noch bejagt werden dürfen, wenn sie bereits mehrfach auffällig geworden sind und der Abschuss bei der Jagdbehörde vorab beantragt wurde. Auch das kritisiert der LJV. „Es ist nötig, auch kurzfristige Lösungen zu ermöglichen“, meint Herrmann.

Mehr Schutz für wildernde Hunde und streunende Katzen

Streunende Katzen sollen in dem Referentenentwurf ebenfalls einen erweiterten Schutz genießen. So ist geplant, dass nur noch Katzen geschossen werden dürfen, die sich mehr als 400 Meter von der Besiedlungsgrenze entfernt haben. Aktuell gilt eine Entfernung von 200 Metern als ausreichend. Allerdings gibt es zusätzlich noch eine weitaus entscheidendere Einschränkung: Zum Schutz von Wildkatzen sollen künftig nur noch streunende Katzen erlegt werden dürfen, die eindeutig als Hauskatzen identifiziert werden können. Bei graugescheckten oder gestreiften Hauskatzen bestehe demnach Verwechslungsgefahr mit Wildkatzen, daher dürften sie nicht bejagt werden. Diese geplante Änderung stößt beim Landesjagdverband ebenfalls nicht auf Begeisterung. „Ein Jäger sollte Wild- und Hauskatzen unterscheiden können“, sagt Herrmann. Das sollte man den Waidmännern schon zutrauen. Außerdem könne man allein aus Artenschutzgründen nicht gänzlich auf die Bejagung von Hunden und Katzen verzichten. Die geplanten Änderungen sollten also noch einmal genauer überprüft werden.

Insgesamt stellte Geschäftsführer Herrmann noch einmal klar, dass das Jagdgesetz aus Sicht des LJV in der Substanz nicht änderungsbedürftig ist.

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